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Ein Gemeindebrief schreibt Geschichte – der Gemeindebrief der Ev. Kirchengemeinde Velbert, nunmehr seit 60 Jahren! Respekt und Gratulation für sechs Jahrzehnte „Post, damit man in Verbindung bleibt“ rund um Kirche und Gemeinde in Velbert-Mitte. Der Grund sind all die Geschichten, die sich ereignen durften, da, wo Menschen sich im Geist Jesu verbunden und gemeinsam auf dem Weg wussten bis heute. Wir dürfen dankbar sein für viele, die Geschichte(n) geschrieben haben mit ihren Biographien, ihrem Sich-gerufen-wissen in zahlreichen Haupt-und Neben-Ämtern, in Gruppen, Initiativen und Projekten in Verkündigung, Seelsorge, Diakonie, musikalischen und anderen Sphären. Ein Gemeindebrief ohne die Berichte, die Geschichten von Menschen in dieser großen, weitegefassten Klammer ist wohl nur schwer vorstellbar.

Gemeindebrief - „Brief“, dieses Wort scheint aus der Zeit gefallen. Denn echte Briefe sind selten geworden. Ein Brief in meinem Briefkasten ist mittlerweile etwas Besonderes. Einmal täglich schaue ich nach. Ich trenne Belangloses, Werbung und vermeintlich einmalige Angebote. Und dabei entdecke ich auch einen Brief, offenbar von der Kirchengemeinde. Wieder so eine Orientierungshilfe zum Leben? Eine Hilfestellung, wie man gut durch die dunkle Jahreszeit kommen kann? Sind da nicht konkrete Einladungen zu Gruppen und Kreisen? Hm, ein besonderes Angebot zu Gottesdiensten am Totensonntag. Und hier: Einladungen zu weihnachtlichen Anlässen. Eigentlich ganz ok, ja nett sogar, ich kann ja auswählen, muss nichts verpflichtend wahrnehmen. Ich lege den Brief für mich beiseite, werde darauf vielleicht zurück kommen …
Ich stelle mir vor, was als Brief ankommt, ist wichtiger als Mails und Kurznachrichten bzw. Momentaufnahmen, Bilder oder Zeichen.

Pfarrer Christopher Preis
Photo: Hajo Gottwald
Auch der Apostel Paulus kommuniziert per Brief mit seinen verschiedenen Gemein-den. Er hält Wesentliches darin fest und bringt es auf den Punkt. Wohl weil Paulus so emsig geschrieben hat damals, bleibt uns sein Werk erhalten. Schreiben gegen das Vergessen, Schreiben für nachfolgende Generationen. Schreiben für das Erinnern – nicht zuletzt an Gottes große Taten. Ich glaube, das Briefeschreiben bleibt eine Kunst, die nicht verkümmern darf, weil einem sonst Wesentliches entgeht. Ohne Briefe wäre unser Leben ärmer und unser Glaube kraftloser. Briefe sind Ausdruck und Ereignis einer langen geistigen und kulturellen Entwicklungsgeschichte. Den ältesten uns erhaltenen Brief schrieb ein namhafter Pharao an einen Fürsten im Jahr 2200 vor Christus. Bedeutend ist auch die Sammlung von rund neunhundert Briefen des Philosophen Ciceros. Paulus sagt im 2.Korintherbrief: „Es ist offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid.“ Also: Jeder Mensch ein „Brief“ - der Liebe und Lebensfreundlichkeit Gottes. Oder: Jeder Einzelne damit betraut, dass wir Gott in unserer Mitte erfahren können. Zu Überbringern, zu Boten seiner Verheißung und Hoffnung macht Gott uns dadurch.

„Ihr seid ein Brief Christi“ heißt es hier wirklich. Ich stelle mir dabei nicht zuletzt zahlreiche Gemeindebrief-Verteiler und – Verteilerinnen vor, die alle zwei Monate treu und zuverlässig und mit viel Hingabe „unseren“ Gemeindebrief zu Menschen der Gemeinde tragen. Dafür gebührt ihnen allen an dieser Stelle unser aller aufrichtiger, herzlicher Dank! Ja, dem Brief entspricht das lebendige Herz, das für Gottes Wort empfängliche und ebenso empfindliche und empfindsame Herz. So soll im Grunde das Herz ein Brief Christi sein, wie beim Propheten Hesekiel nachzulesen ist: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben … und solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln …“ (Hes. 36,26f.)

Könnte es nicht wichtig sein vor diesem Hintergrund und mit diesem Wissen, gerade auch zukünftig den Sinn dafür zu schärfen, dass im (Gemeinde-)Briefeschreiben und -Lesen! ein unvergleichlicher Schatz für uns bereitgehalten ist und im Kern eben auch dieser Inhalt, dass wir füreinander „Briefe“ Christi sein dürfen. Im Wortlaut von Paulus gesprochen: „Ihr gebt euch selbst als Empfehlungsbrief Christi zu erkennen ... , geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern in fleischerne Herzen. Doch solche Zuversicht haben wir durch Christus zu Gott: Nicht als ob wir von uns aus fähig wären, irgendwas uns selbst zuzurechnen: Vielmehr kommt unsere Befähigung von Gott: Er ist es, der uns befähigt hat, Diener des neuen Bundes zu sein“ (2. Kor. 3,3-6a, Übersetzung nach Ulrich Wilckens).

Offene, menschlich motivierte, nicht perfekte und noch nicht einmal abgeschlossene, aber in herzlicher Weise von Gottes neuem Geist immer wieder neu Berührte und Bewegte lasst uns also sein im engagierten Fortschreiben und frohen und kritischen Lesen des Gemeindebriefs in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, in der Zeit, die Gott uns schenkt.

Christopher Preis

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