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Denk‘ ich an unsere Küsterin Gisela Schönfeld …

… dann strömt eine ganze Flut von Gedanken, Bildern und Erinnerungen auf mich ein. Kein Wunder: Gisela war schon da, als wir 1990 als junge Flaig-Familie nach Velbert gekommen sind. Wie herzlich sind wir damals von euch Schönfelds aufgenommen worden! Und bis heute fühlen wir uns von euch in jeder Hinsicht unterstützt und begleitet.

Gisela hat mir sehr geholfen, mich in meiner Rolle als junger pastoraler „Hilfs-Sheriff“ zurechtzufinden, und herauszufinden, was meine Aufgaben sind und was nicht. Zum Beispiel nicht, die Arbeit von anderen Leuten zu organisieren. Danke für diese kleine Hilfestellung zur rechten Zeit!

Mir fällt auf, dass wir in all den Jahren nicht eine einzige Dienstbesprechung gemacht haben. Wir haben sehr eigenständig gearbeitet und alles, was anstand, in Tür-und-Angel-Gesprächen geklärt, oder per Telefon. Später gerne per E-Mail und neuerdings per WhatsApp.

Gisela ist eine Küsterin, die ihre Arbeit sehr unauffällig tut und gleichzeitig hocheffizient. Dazu gehört, dass sie sich mit unglaublicher Geschwindigkeit von A nach B bewegt. Zum Beispiel von der Kirche zum Gemeindehaus. Wenn ich sie aus meinem Fenster sehe und mir einfällt, dass ich ihr noch etwas sagen möchte, dann weiß ich, dass ich maximal acht Sekunden Zeit habe, um zum Türrahmen zu kommen – sonst ist sie um die Ecke und weg. Wir haben das unzählige Male ausprobiert. (Ich frage mich gerade, wie sich das Passieren des Pfarrhauses für Gisela anfühlt, wenn man nie weiß, ob da gleich die Tür aufgerissen wird …)

Ziemlich schnell bin ich darauf gekommen, dass Gisela Schönfeld der Idealfall einer Küsterin ist. Besser kann man es als Gemeinde und als Pfarrer gar nicht haben.
Das fängt schon an mit den Gummibärchen, die man zuverlässig im Foyer der Kirche vorfindet und die zum Beispiel bei den Konfis sehr hoch im Kurs sind. Anders gesagt: aufmerksam und liebevoll gestaltete Räume. Ein liebevoll zusammengestellter Kaffee- und Teewagen für irgendeine Besprechung. Gisela lässt sich immer etwas einfallen.

Es geht weiter damit, dass Gisela keine Motivation hat, die Gemeinderäume vor Benutzung zu schützen. Anders gesagt: Sie versucht, alles möglich zu machen, was nur irgendwie möglich zu machen geht, und ist dabei ausgesprochen kreativ. Gisela liebt es, wenn die Kirche und das Gemeindehaus voll Leben sind.
Und sie ist absolut nicht bang vor Arbeit. Anpacken, hocheffizient … aber das hatten wir ja schon.
Außerdem mag sie Menschen. Und die Menschen, die ihr begegnen, spüren das. Sie ist ein wichtiges Aushängeschild einer menschenfreundlichen Gemeinde. Und die ist ja wiederum das Markenzeichen eines menschenfreundlichen Gottes.

Menschenfreundlich bedeutet auch, gastfreundlich zu sein. Über zwanzig Jahre ist es her, dass wir angefangen haben, Gastfreundlichkeit als Markenzeichen unserer Gemeinde bewusst zu pflegen und weiterzuentwickeln. Gemeindefeste, Mitarbeiterfeiern, Presbyteriumssitzungen, Kochclubs, Brunche. Essen und Trinken, miteinander sitzen und reden können… All das ermöglicht und unterstützt unsere Küsterin Gisela von ganzem Herzen.
Außerdem ist Gisela ausgesprochen pfiffig. Auch im Internet. Ihre Recherche hat dazu geführt, dass wir einen großen Bauschaden im Gemeindehaus gerade noch rechtzeitig reklamiert und ersetzt bekommen haben. Als einmal aus der Markuskirche ein Klavier und eine Lautsprecherbox gestohlen wurden, hat Gisela monatelang im Internet geschaut, ob sie dort zum Verkauf angeboten wurden. In diesem Fall leider ohne Erfolg.
Wunderbar ist auch, wie Gisela und ihr Mann Bernd-Jürgen mit Heizungsausfällen und Wasserschäden umgehen und unaufgeregtes Krisenmanagement betreiben, sodass alle mit der Situation gut leben können, bis der Schaden behoben ist.

Ausgeglichenheit und gute Nerven… Ich habe Gisela selten anders als ausgeglichen und freundlich erlebt. Das tut sehr gut! Speziell, wenn ich als Pfarrer hin und wieder auf dem Weg bin, die Krise zu bekommen.
Gisela weiß alles. Wie oft sage ich jemandem, dem ich nicht weiterhelfen kann: „Frag Gisela! Die weiß das.“ Und meistens weiß sie es. Gisela weiß auch, wie viele Würstchen wir auf dem Sommerfest vor fünf Jahren gekauft – und wie viele wir wirklich benötigt haben, und bei welchem Wetter wie viel Eis gegessen wird.
Was ich an Gisela auch schätze: Es gibt im Gemeindehaus und in der Kirche kaum Hinweisschilder, die sonst so beliebt sind. Gastfreundlichkeit bedeutet für Gisela, den Gästen und Mitarbeitern etwas zuzutrauen. Und wenn doch mal etwas zu sagen ist, zum Beispiel in Sachen „Kühlschranktemperatur“ zur Verhinderung der Produktion von „Eis-Blumen“, dann wird es von Angesicht zu Angesicht gesagt und nicht anonym per Zettel.
Für mich ist Gisela ein Mensch mit viel Lebenserfahrung und Lebensweisheit. Es gibt manche Dinge und Fragen des Lebens – da würde ich zuerst sie um Rat fragen.

Gisela ist eine Teamarbeiterin. Vieles von dem, was sie macht, tut sie zusammen mit anderen beruflich oder ehrenamtlich Mitarbeitenden.
Beruf und Ehrenamt – ich weiß gar nicht, ob Gisela das für sich so genau unterscheidet. Sie macht so vieles, was Küster normalerweise gar nicht machen: Mitarbeiten bei Rudis Kinderkirche, bei Konfetti, bei Café Make, im Chor, im CBK, Kochen auf Jungscharfreizeiten. Und und und.
Warum macht jemand das alles? Und warum macht jemand das so, auf diese besondere Weise?
Meine Theorie: Für Gisela ist das alles ein ganz natürlicher Ausdruck ihres Glaubens an Gott, der sie so reich beschenkt hat, dass sie selbst gerne von Herzen weitergeben und schenken möchte. Ihr könnt ja mal überlegen, ob das stimmt.

Manchmal haben Gisela und ich zusammen eine kirchliche Trauung. Sie als Küsterin, ich als Pfarrer. Wenn es dann ans Lieder singen geht, dann weiß ich bei Gisela, dass ich nicht der Einzige bin, der singen wird. Auch das ist eins von den vielen besonderen Dingen, die mir kommen, wenn ich an unsere „weltbeste Küsterin“ denke.

Liebe Gisela, gaaanz herzlichen Dank für das alles und für sehr viel mehr! Gott segne und leite dich in deinem Ruhestand. Genieße die Zeit mit deiner wunderbaren Familie, besonders jeden Moment mit deinen fantastischen vier Enkelkindern! Und – wir sehen uns. Auch in der Markuskirche.

Dein Uwe Flaig 

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