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Ein Baum der Hoffnung!

Photo: Hajo Gottwald "Ein Baum der Hoffnung - zum Gedenken aller Menschen, die in der Zeit der Corona-Pandemie 2020/2021 gestorben sind oder von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten, oder unter den Folgen der Pandemie leiden. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchengemeinden im Niederbergischen;
18. April 2021."

Liebe Gemeinde, so ist es nun zu lesen - auf der Gedenktafel an „unserem“ Baum der Hoffnung auf dem Evangelischen Friedhof. Einen kleinen Eindruck von der Aktion, in der dieser Baum gepflanzt wurde, finden Sie auf den folgenden Seiten dieser Ausgabe unseres Gemeindebriefes. An dieser Stelle möchte ich Ihnen einige Gedanken weitergeben, die ich bei diesem symbolischen Pflanz-Akt ausgesprochen habe.

Was "Corona" bedeutet - vor allem, was "Corona" für unsere sozialen, aber auch für unsere wirtschaftlichen Zusammenhänge bedeutet - das muss ich, denke ich, niemandem erklären. Ich muss Ihnen auch nicht erklären, welche äußerlichen und inneren Spannungen entstehen durch die Beschränkungen und Einschnitte, die wir alle hinzunehmen haben. Dinge sind notwendig - das heißt aber noch lange nicht, dass sie damit auch einfach sind. Dazu kommt die lange Dauer. Wer hätte vor einem Jahr ernsthaft gedacht, dass wir nun schon ein zweites Osterfest unter Corona-Bedingungen gefeiert haben? Wer hätte gedacht, dass für unsere Freunde vom Clavis-Verein - so wie für alle Moslems - nun schon der zweite Ramadan durch „Corona“ so stark beeinträchtigt sein könnte?

Aber gerade, wenn wir solche Gedanken denken, ist es gut, dass wir uns klar machen:
Wir sind nicht alle in gleicher Weise von den Beeinträchtigungen dieser Zeit betroffen!
Der "Baum der Hoffnung" weist darauf hin: Es gibt die wirklich ernsthaft Betroffenen -
die Verstorbenen - die, die Angehörige verloren haben - die, die unter den Folgen der Pandemie ganz direkt leiden - auch die, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, oder die darum bangen müssen. Die finanzielle Lage mancher Familien ist unsicher geworden. Und wie viele Menschen - und nicht nur ältere - werden von Gefühlen der Vereinsamung gequält?

Und nun: ein "Baum der Hoffnung"? Ganz nüchtern gesagt: Es ändert sich doch eigentlich gar nichts dadurch, dass wir einen Baum pflanzen. Auf den ersten Blick jedenfalls nicht!

Aber! Wir kennen wahrscheinlich alle dieses kraftvolle Wort, das Martin Luther zugeschrieben wird: "Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht - ich würde heute noch einen Apfelbaum pflanzen!" Der „Baum der Hoffnung" ist in diesem Sinne ein Wegweiser; ein Zeichen. Er verweist auf eine größere Wirklichkeit, in der sich alles das, was auf dieser Welt geschieht, am Ende gründet! Und bergen darf. Das ist eine Frage des Vertrauens - denn der Kopf allein kann das nicht ergründen. Es geht um viel mehr als um ein Wissen! Können wir in allem - und trotz manchem! - glauben, dass wir gehalten und getragen werden? Und das nicht in einer solchen oberflächlichen Weise, dass wir uns gegenseitig sagen müssten: "Alles wird gut!" Das wäre zu platt, und würde den Wirklichkeiten unseres Lebens nicht standhalten können. Denn: manches wird gut werden - und das ist ein Wunder. Aber nicht ALLES wird gut. Manche Einschnitte, Abschiede, Verunsicherungen und Schmerzen werden auch bleiben. Oder bleibende Folgen haben. Vertrauen ist viel mehr - und oft auch etwas ganz anderes - als auf eine heile Welt eines "alles wird gut" zu hoffen!

Pfarrer Martin Schmerkotte
Photo: Kerstin Parschat
Um so wichtiger ist es deshalb, dass wir Menschen - wir Glaubenden, wir Vertrauenden - uns auch in unsicheren und unklaren Zeiten in der Wirklichkeit Gottes gründen können. Das ist nicht leicht! Zugegeben! Wie sollte es auch. Es ist oft eine Herausforderung - aber eine Herausforderung zum Mut und zur Standhaftigkeit. Menschen, die aus einem solchen Vertrauen leben, zeigen oft Rückgrat und geistliches Format. Eben um solches Vertrauen geht es - um dieses tiefe innere Wissen, dass alle Wege, die wir zu gehen haben - eben: die leichten UND die schweren Wege - von Gott begleitet sind - und am Ende auch wieder bei Gott ihr Ziel finden. Auch, wenn wir auf dem Weg vieles nicht verstehen können.

Vertrauen ist mehr. Denn: wer kann "Corona" wirklich verstehen? Wenn mir gegenüber jemand das versucht (das ist aber sehr selten geschehen) - zum Beispiel, dass mir jemand "erklären" will, dass "Corona" eine Strafe Gottes ist - sogar, was Gott damit bezweckt - dann bin ich sehr reserviert und skeptisch. "Hast Du in Gottes Kursbuch gelesen? Oder weißt Du an solchen Stellen vielleicht sogar noch mehr als Gott selbst? Bist Du am Ende schlauer als er?"

Aber lassen wir das - kehren wir zurück in diese Wirklichkeit, in der wir alle gemeinsam stehen. Der Baum der Hoffnung will ein Hinweis sein: Wir vertrauen die Verstorbenen Gott an - wir vertrauen die, die einen Angehörigen verloren haben, Gott an - wir vertrauen die, die unter den Folgen von Corona leiden, Gott an. Und das nicht, weil damit alles Leiden vorbei wäre - sondern weil selbst solche Dinge damit in ein anderes Licht kommen können. Wir geben keine Antworten, die wir gar nicht haben können. Aber wir stellen die Dinge, die uns betreffen, in das Licht der Ewigkeit Gottes. Das heißt: Vertrauen!

Das Leiden nicht wegerklären oder verdrängen. Solche Wege sind nicht heilsam - und sie stehen uns auch nicht wirklich zu. Das Leben ist größer und tiefer als alles, was wir Menschen fassen können. Darüber können wir staunen, aber in der Konfrontation mit den schweren Dingen des Lebens ist eben unser Vertrauen gefragt. Die leidenden Menschen der Gegenwart innerlich der Wirklichkeit Gottes anvertrauen. Das heißt aber gleichzeitig sofort auch: Ihnen ganz praktisch zur Seite stehen, so, wie wir das können. Wer sie Gott so überlässt, dass er sich selbst in die Passivität zurückzieht, ist schon lange aus dem Vertrauen herausgefallen.

In diesem Sinne noch einmal: Ein Wegweiser - ein Zeichen - soll der der Baum der Hoffnung sein! Er soll wachsen - auf dem Friedhof (denn dieser Ort ist ganz bewusst gewählt!) - und auch in unseren Herzen.

"Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht - ich würde heute noch einen Apfelbaum pflanzen!" Dass das Vertrauen wachse!

Zu einem Besuch bei "unserem" Baum der Hoffnung lädt Sie ein:

Ihr Pfarrer Martin Schmerkotte

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