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Ein Baum, der sich Gemeinde nennt…

Kennt ihr noch das Lied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“?

Für die Gemeinde Christi gibt es einige aussagestarke Bilder. Eines davon ist die Gemeinde als Baum: Eine große Krone, starke Äste, und daran viele bunte Früchte. Und da soll noch jemand sagen, in der Gemeinde sei nichts los!

Und das ist ja tatsächlich ein toller Baum, der sich sehen lassen kann. Vielleicht habt ihr schon geschaut und euer Lieblingsangebot in unserer Gemeinde gefunden. Vielleicht hat es auch noch nicht seinen Weg in diese wunderschöne Grafik gefunden, dann seid bitte nachsichtig.

Was wir in den vergangenen Jahren angesichts sterbender Fichtenwälder gelernt haben, ist, wie verletzlich ein Baum von seiner Wurzel und von seinem Stamm her ist. Trockenheit und Erderwärmung setzen ihm zu – und der Borkenkäfer freut sich.

Wenn wir unsere Gemeinde mit einem Baum vergleichen, stellt sich ja die Frage, was daran der Stamm und die Wurzel ist.

Das Titelbild des Gemeindebriefes gibt darauf eine mögliche Antwort: Der Gottesdienst. Gottesdienste in ihren vielfältigen Formen bilden die Wurzel und den Stamm unseres Gemeindebaumes.

Klingt logisch und einleuchtend. Das haben wir vielleicht auch über Jahrzehnte so verinnerlicht: Die Gottesdienste sind die Wurzel und der Stamm unseres Gemeindelebens. Daraus wächst alles andere.

Nun ist in der evangelischen Kirche vor Jahren die Frage aufgetaucht und kontrovers diskutiert worden: „Können wir eigentlich noch sagen, dass der Gottesdienst die Mitte unseres Gemeindelebens ist, wenn das Teilnahmeverhalten vieler Gemeindemitglieder den Schluss nahelegt, dass er es schon längst nicht mehr ist?“

Oder ist Gottesdienst nicht einfach irgendein Teil unseres gemeindlichen Angebotes für die Menschen, die ein Bedürfnis danach haben?

(Interessante Vorstellung: Wenn das so wäre, dann würden die Gottesdienste nach oben in die Krone des Baumes rutschen und der Baum hätte keinen Stamm mehr und wäre somit ein Gebüsch.)

Gibt es etwas, was die Wurzeln und den Stamm unseres Glaubens und unseres Gemeindelebens ist?

Psalm eins, Vers zwei und drei geben einen sachdienlichen Hinweis: „Wer Lust hat am Gesetz des Herrn und über seinem Gesetz Tag und Nacht sinnt, der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasser-bächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“

Ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen. Da, wo seine Wurzeln Nahrung und lebenswichtiges Wasser finden und durch den Stamm hinauf in die Krone des Baumes transportieren. Dieser Baum trägt Frucht. Und seine Blätter verwelken nicht. Was für ein Bild angesichts der letzten beiden trockenen Sommer!

Was ist dieses Wasser, das Leben schenkt? Psalm eins antwortet: Das Wort Gottes. Göttlicher Zuspruch und göttliche Lebensweisung. Wer mit diesem Zuspruch und dieser Lebensweisung verbun-den ist, der kann sein irdisches Leben in Richtung Himmel ent-falten.

Wie kann man Verbindung finden zu Gottes Zuspruch und seiner Lebensweisung?

Antwort von Psalm eins: Indem man sich mit Gottes Wort beschäftigt und auf ein Wort hört, das von weiter her kommt als nur aus unserem eigenen Kopf.
Gottes Zuspruch. Hören. Lesen. Auf sich wirken lassen. Diskutieren. Fragen. Antworten finden.

Eine spannende Beobachtung: Die Vorstellung, ein einzelner Christ setzt sich alleine in sein Zimmer und liest allein in seiner Bibel, ist in der Geschichte der jüdisch-christlichen Tradition eine verhältnismäßig junge Vorstellung. Nicht, dass sie falsch wäre. Aber über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg wurde die Bibel fast ausschließlich gemeinsam studiert. Schon allein, weil eine Gemeinschaft oft nur eine Bibelausgabe hatte. Und dann wurde vorgelesen. Und zugehört. Und Fragen gestellt: Was heißt das denn jetzt heute, hier für uns? Es wurden Antworten gegeben, die wieder neue Fragen hervorriefen, auf die wieder … ihr ahnt es schon. Und so wurde Bibel ausgelegt, hinein in unser Leben. Ein Gemeinschaftsgeschehen, durch das Gottes Geist zu einer Gemeinschaft von Christen gesprochen hat.

Und vielleicht liegt die Antwort, was denn Wurzel oder Stamm unseres Gemeindelebens ist, in dieser Richtung: Gemeinsam die Bibel auslegen und auf Gottes Reden hören. Es kann sein, dass Einzelne für uns die Bibel auslegen. Aber gut, wenn das zu einem Gespräch führt: Untereinander. Und zu einem Gespräch mit Gott.

Vielleicht hat manches, was wir in der Krone unseres Gemeindebaumes dargestellt finden, sehr viel mehr mit dem Stamm und den Wurzeln zu tun, als uns bisher bewusst war.

Ihr/euer Uwe Flaig

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