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der Ev. Kirchengemeinde
Velbert


eKiR, geboren am 09.11.1948 in Velbert

Aufmerksame Leser konnten am 30.10.2008 auf der Kultur-Seite der WAZ in einem Nebensatz lesen, dass die "Evangelische Kirche im Rheinland" am 9. November 2008 60 Jahre alt wird und sich auf der Synode in Velbert 1948 gründete.

Da ich sicher bin, dass viele unserer heutigen Gemeindeglieder davon nichts wissen, habe ich in den Tiefen unseres Archivs gegraben.
Was ich gefunden habe, waren - außer Protokollen und offiziellen Statements - Zeitdokumente aus der unmit- telbaren Nachkriegszeit, von denen ich Ihnen heute erzählen will.

1946 sollte nach 12-jähriger Unterbrechung die 1. Synode der Rheinprovinz nach der Zeit des NS-Regimes stattfinden.
Am traditionellen Tagungsort Neuwied waren die Gebäude durch Kriegseinwirkung noch zerstört.
Von wem die Idee kam, die Synode nach Velbert einzuladen, ist nicht überliefert. Dass die Synoden von 1946 bis 1950 dann wirklich in Velbert stattfinden konnten, ist einer wahrlich beispielhaften Zusammenarbeit von Stadt (Dr. De Visscher), Presbyterium (Pastor Harney) und der gesamten evangelischen Gemeinde zu verdanken.

War es doch - zumindest anfangs - eine Zeit, in der Lebensmittel streng bewirtschaftet und nur auf "Karten" erhältlich waren und jedes freie Bett durch die aufzunehmenden Flüchtlingsströme aus dem Osten Deutschlands belegt war.
Den Verantwortlichen stellte sich 1946 die Aufgabe, 200 Synodalen für 5 Tage einen "angenehmen" Aufenthalt in Velbert zu bieten. Die erforderlichen 200 Betten standen in den Familien der Velberter Gemeinde.
Im Archiv liegen die Listen, die berichten, welcher Synodale in welcher Familie untergebracht war, darunter natürlich Präses D. Held und auch Dr. Dr. Gustav Heinemann, unser späterer Bundespräsident.
Für alle gab es als Verpflegung für die 5-tägige Synode auf mitzubringenden Lebensmittelmarken:

200 g Fleisch
30 g Fett
200 g Nährmittel
1000 g (= 20 Schnitten) Brot
1500 g Kartoffel

wohlgemerkt, für insgesamt 5 Tage. Von jedem Teilnehmer mitgebracht werden musste Brotaufstrich (Butter, Marmelade etc.), Zucker und weiteres nach persönlichem Bedarf.

Die für die abschließende Abendmahlsfeier der Synodalen gemeinsam mit der Velberter Gemeinde erforderlichen 11 Flaschen Wein wurden vom Kirchenamt in Düsseldorf ge- gen Rückgabe der leeren Flaschen einschliesslich Kork in natura erstattet.
Die erforderlichen Lebensmittel konnten schließlich aus einer schwedisch/schweizerisch/amerikanischen
Spende und einer Sammlung bei den evangelischen Bauern Velberts zusammengetragen werden.

Für die synodale Arbeit mussten alle Bibel, Gesang- buch, Papier und Federhalter aus dem eigenen Bestand mit- bringen.
Diese Arbeit wurde im Bürgerhaus (Ecke Nedder- Offerstraße) erledigt, wo auch die gemeinsamen Mahlzeiten eingenommen wurden.
Jeder Tag begann um 8.00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Alten Kirche und endete um 20.00 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Christuskirche.

Da sich alle Synodalen offensichtlich bei unseren Vorfahren wohl gefühlt hatten, kamen sie gerne wieder. Zahlreich sind aus 1947 und 1948 Wünsche überliefert, doch möglichst wieder in den Gastfamilien aus dem Vorjahr untergebracht zu werden.

So war es fast vorprogrammiert, dass die Umwandlung der "Preußischen Provinzialkirche der Rheinprovinz" in die "Evangelische Kirche im Rheinland" im Jahre 1948 bei uns in Velbert stattfand.

Gerd Lensing

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Mitarbeiter des Archivs

 

 

Dr. Ingomar Haske



Wolfgang Erley

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