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der Ev. Kirchengemeinde
Velbert


Geschichte des Kirchhofs

Bis weit ins 16. Jahrhundert hinein hatten die damals weniger als 50 Familien im Kirchspiel Velbrecht keinen eigenen Kirchhof zur Bestattung ihrer Toten. Die im Dorf stehende Kapelle der Heiligen Ida war nur eine Tochterkirche von St. Clemens am Born in Werden. So wurden damals nicht nur alle Sakramente der katholischen Kirche ausschließlich in St. Clemens ausgeteilt, sondern auch die Verstorbenen aus dem Kirchspiel Velbrecht auf Werdener Kirchhöfen beerdigt.

Nach mehreren vergeblichen Anläufen bei Abt Johannes von der Werdener Abtei ließen die Bauern aus Velbrecht mit Beginn des Jahres 1529 ihrem Landesherrn Herzog Johann von Berg in Cleve ein Bittschreiben zukommen, in dem sie auf ihre erheblichen Schwierigkeiten der ausschließlichen Sakramentsausteilung in St. Clemens hinwiesen und um deren Erteilung in ihrer Ida-Kapelle baten.

Zwar erhoben sowohl Abt Johannes wie auch Antonius, Pastor zu St. Clemens, Einspruch, aber die Velberter erhielten die Genehmigung ihres obersten Landesherrn. Mit der Umsetzung haperte es zwar, doch im Dezember 1532 sah sich Antonius zu einem Beschwerdebrief an Herzog Johann veranlasst, in dem er den Bewohnern von Velbrecht vorwarf, aus ihrer Ida-Kapelle eine selbständige Kirchspielskirche gemacht zu haben.

1533 erneuerte er seine Beschwerde und untermauerte sie mit Fakten, unter anderem mit der Tatsache, dass im Kirchhof der Ida-Kapelle bereits Beerdigungen stattgefunden hätten. Am 4. Mai 1534 widerrief dann Herzog Johann in einem Schreiben an Abt Johannes seine Genehmigung, in der Ida-Kapelle die Sakramente auszuteilen, doch von einem Rückbau des Kirchhofs war nicht die Rede. Auf diese Weise haben sich also die Velberter ihren ersten eigenen Kirchhof im Kirchspiel „erarbeitet“.

Diese und andere Schwierigkeiten im Umgang mit der Werdener Abtei haben sicherlich mit dazu beigetragen, dass das Kirchspiel Velbert 1560 als erstes aus dem Verband der Abtei Werden ausscherte und sich in kürzester Zeit geschlossen, einschließlich Vikar und Küster, dem „neuen“ Lutherischen Glauben zuwandte. Diese Lutherische Gemeinde hatte somit vom ersten Tage ihres Bestehens an einen eigenen Pfarrer, eine autarke Kirche und -natürlich- ihren eigenen Kirchhof.

Als im Jahr 1620 sich die Velberter Gemeinde in zwei Glaubensrichtungen aufteilte, gab es zwar unmittelbar Streit um die Benutzung der Kirche, zunächst aber nicht um die Nutzung des Kirchhofs. Das mag zum einen an den seit Jahren verteilten Erbgruften der Velberter Familien gelegen haben, zum anderen auch an der Tatsache, dass bereits 1626 die reformierte Glaubensrichtung in Velbert von Amts wegen verboten wurde.

Als dann aber 1666 die Reformierten offiziell wieder zugelassen wurden, gab es prompt den ersten Streit um ein Begräbnis und das am Heiligen Abend! Die Lutheraner hatten die Beerdigung einer Tochter von Johann am Eickbusch verhindert, worauf Pfarrer Wasmuth sich beim Landesherrn beschwerte. Bereits am 2. Weihnachtstag lag der Bescheid von Herzog Philip Wilhelm vor, der den Lutheranern mit einer Strafandrohung von 50 Gulden jegliche Behinderung einer Beerdigung untersagte. Von diesem Zeitpunkt an gab es wegen des Kirchhofs teilweise tätliche Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Reformierten.

Ausführlich überliefert ist ein Gerichtsprozess, den Johann zu Boven (aus der calvinistischen Familie der Offerhaus) 1732 bis 1734 gegen die Lutheraner führte und sich damit den Besitz einer Familiengruft erstritt. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts erlaubten die Lutheraner offiziell die Mitbenutzung des Kirchhofs durch die Reformierten.

Einen Streit völlig anderer Art um die Belegung des Kirchhofs gab es um 1710. In diesem Zeitraum trennten sich zunächst die Reformierten, kurze Zeit später auch die Lutheraner der westlichen Honschaften von der Velberter Gemeinde, um ihre eigenen Gemeinden Heiligenhaus zu gründen. In vielen Verhandlungsrunden wurde letztendlich festgeschrieben, dass Verstorbene aus Heiligenhaus nicht mehr in Velbert beerdigt wurden, andererseits die vorhandenen Gruften im Velberter Kirchhof erhalten blieben.

Anfang des Jahres 1786 beauftragten der Lutherische Pfarrer Schrader und sein Kirchmeister Abenhardt den Geometer G. W. Lücker, einen Plan von Kirche und Kirchhof zu erstellen, den dieser im Mai 1786 fertig stellte und übergab. Im Juli 1786 hat Pfarrer Andreas Schrader die im Kirchhof vorhandenen Grabstellen aufgenommen und in den Plan eingetragen.

 

Aus diesem Plan sind interessante Einzelheiten zu entnehmen.

Der gesamte Kirchhof und damit auch die Kirche waren von einer Mauer umgeben, die als einzigen Zugang eine Treppe an der Ostseite von der Landstraße her hatte. Bestandteil dieser Umfassungsmauer waren drei Wohnhäuser, das „Grote Haus“ und „Unten auf dem Orth“ an der Nordseite, sowie „Am Stück“ an der Südseite. Wege zu einzelnen Grabstätten und zu den Türen der Kirche gab es nicht. Auch der an der Nordseite zwischen den beiden Wohnhäusern gelegene Backofen samt Vorplatz war nur über die Grabstätten zu erreichen.

Auffällig ist, dass praktisch alle Gräber - wie die Kirche - von Westen nach Osten ausgerichtet waren und die Grabsteine mit ihrer Beschriftung nach Osten wiesen. Vor dem Haupteingang der Kirche gab es einen relativ großen Armen-Kirchhof. Weitere Grabstätten waren der Lutherischen oder der Reformierten Gemeinde zur freien Verfügung zugewiesen. Einige wenige Grabstätten waren auch mit „frey“ bezeichnet.

Der Rest der Familiengruften weist einen sonst kaum vorhandenen Überblick über die Familien aus, die am Ende des 18. Jahrhunderts im Kirchspiel Velbert wohnten und dort beerdigt wurden.

Familie

Gruften

Steine

Familie

Gruften

Steine

Abtsküche

2

 

Heksholtz

2

1

Aletzer Haus

3

1

Herberg

2

2

Alte Schmitte

6

2

Hieoben

2

2

Altenah

2

2

Hieuth

3

 

Am Alten Hardenberg

4

3

Hirtzblek

6

4

Am Pött

2

2

Höfgen

2

 

Am Steg

2

1

Holtsiepen

2

2

Auf dem Graben

1

 

Hörne

3

3

Auf der Beek

2

 

Hornscheid

2

1

Auf der Trappe

2

 

Im Birt

5

1

Bartelskamp

2

 

Im Engel

2

 

Bleck

3

2

Im Offers

8

4

Blumenthal

2

2

In der Krone

2

1

Borckhorst

7

1

Kauser

2

1

Boven

5

1

Kichskoten

2

2

Bover Flieten

1

 

Kleine Häfel

6

2

Bringmann auf d. Ort

2

2

Klingkoten

2

 

Bringmannsberg

2

2

Klüppelholtz

2

 

Büschgen

1

 

Kniprath

2

2

Dahlbeck

2

 

Koch zu Wordenbeck

2

1

Dammerskoten

2

 

Konnert

2

1

Dickenhaus

2

1

Koten in Velbert

3

2

Dietzhaus

4 à 5

2

Kramerskoten

2

 

Docters Velau

2

2

Krückertskoten

5

1

Einlos

3

1

Krüllsteinbek

1

 

Endemanns Baum

2

 

Küpersbusch

2

2

Farrenberg am Plätzgen

2

 

Küsters Gräber

2

1

Gaddum

6

5

Lanter

1

1

Ganderhaus

2

1

Laubeck

4

 

Grafenburg

2

1

Liebersholtz

4

1

Große Stinder

4

1

Loch in d. Herrschaft

2

 

Hanshaus

3

 

Losenburg

2

 

Hardenberg

2

1

Oberste Kamp

2

 

Heilgenloch

2

1

Oberste Teckbusch

3

2

Palmbaum

1

 

Steinbek unten

3

1

Papenfeld

2

2

Strätershäusgen

2

 

Philipps zu Wordenbeck

8 à 9

3

Tackenberg

2

 

Pippes am untersten Ort

2

2

Teich

4

2

Püsterskoten

3

 

Tenne

3

1

Putschenholz

4

3

Toby

5

1

Röbbeck

3

 

Ühlenbeck

3

3

Rolland

2

1

Unterste Kamp

4

2

Rotenberg

2

 

Unterste Teckbusch

2

 

Sau

2

1

Unterste und oberste Juffernholtz

4

1

Schlotskoten

2

2

Velau

2

1

Schmidt Steinbeck

2

2

Versteg

2

1

Schmidtsheyde

1

 

Voßkule

3

 

Schnegelskoten

5

1

Vorm Thurm

2

 

Schopperhoff

1

1

Vorn zum Hoff

2

1

Schröderskoten

2

 

Waßerfall

2

1

Schumachers Koten

2

 

Weid

4

1

Schürhoff

2

 

Welskoten

3

1

Schürhofs Haus

3

 

Weubelskoten

2

 

Schwalbenmarck

2

2

Wilckes

1

1

Schwan

3

2

Windeln

1

 

Siepen

3

 

Wolters

3

2

Sonne

1

1

Zu den Eichen

2

1

Sonthum

2

 

Zum Brügel

2

2

Sontumer Flieten

1

1

Zum Koten in der Flandersbach

3

2

Sprung

2

1

Zur Mohnhaus

2

2

Wie lange dieser Kirchhof nach der Eröffnung des Friedhofs am Weg nach Ostum im Jahre 1808 noch erhalten geblieben ist, ist leider nicht überliefert. Es ist aber zu vermuten, dass hier bald nach 1808 keine Beerdigungen mehr stattfanden, um den Vorschriften Genüge zu tun. Die Kirchhofsmauer allerdings hat komplett das 20. Jahrhundert, in Teilen noch das 21. Jahrhundert erreicht.

Ebenso unklar ist, was mit den fast 150 Grabsteinen passierte. Es ist vorstellbar, dass verschiedene Familien bei der Verlegung der Familiengruften auf den neuen Friedhof ihre Grabsteine mitgenommen haben. Größtenteils müssen sie aber untergearbeitet worden sein, denn beim Einbau einer Warmluftheizung in der Alten Kirche im Jahre 1959 wurden in einem relativ kleinen Bereich verschiedene Grabsteine ausgegraben und ans Tageslicht geholt.

August 2013 / Gerd Lensing

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Dr. Ingomar Haske



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