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der Ev. Kirchengemeinde
Velbert


Geschichte des "Alten" Friedhofs

Bereits um das Jahr 1745 hatte Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach, Regent im Herzogtum Jülich/Berg, einen Erlass herausgegeben, dass alle Begräbnisstätten aus hygienischen Gründen aus dem Wohnbereich von Städten und Dörfern entfernt und nach außerhalb verlegt werden sollten. Das galt natürlich auch für den Velberter Kirchhof rings um die Ida-Kapelle. Doch die Velberter hatten zunächst andere Sorgen. Es standen der Abriss der Kapelle und der Bau einer neuen Kirche an. 1766 war es soweit, und 1769 wurde die neue Kirche -immer noch umgeben von den Gräbern im Kirchhof- eingeweiht.

Die finanzielle Belastung beider evangelischer Gemeinden, sowohl der Reformierten wie auch der Lutheraner, war durch den Kirchenneubau sehr hoch, und so dachte niemand mehr ernsthaft an eine Verlegung der Grabstätten. Erst nach der Besetzung des Herzogtums durch Napoleon im Jahre 1806 und durch die Gesetzgebung der Franzosen wurde das Thema eines neuen Kirchhofs offensichtlich wieder aktuell. Dass die Velberter von der königlichen Regierung in Düsseldorf gehörig unter Druck gesetzt wurden, geht aus einem Schreiben vom 18.11.1806 hervor.

Die Lutherische Gemeinde errichtete dann 1808 - wie in dem nebenstehen- den Ausschnitt der „Velberter Urkarte“ von 1816 eingezeichnet - auf einem ererbten Grundstück am Weg nach Ostum, in gehöriger Entfernung östlich vom Dorf Velbert gelegen, den neuen Kirchhof. Dabei wurden der reformierten Gemeinde von Anfang an die gleichen Rechte eingeräumt, die sie auch zur Bestattung ihrer Angehörigen im alten Kirchhof hatten. Die Fläche des neuen Kirchhofs erstreckte sich knapp 30 m entlang der heutigen Bahnhofstraße und gut 50 m tief in Richtung der heutigen Kurze Straße, und war mit 1.400 m2 erheblich größer als die des alten Kirchhofs mit 900 m2. Wann der erste Tote dort bestattet wurde, ist nicht überliefert. Es besteht aber heute noch im ältesten Teil des Friedhofs die Grabstätte der Familie Mohn, auf der Wilhelm Mohn am 9. April 1808 beerdigt wurde. Überliefert ist dagegen die nachfolgende Aufstellung aus dem gleichen Jahr, in der die Namen der Familien festgehalten sind, die die ersten 144 Grabstellen zum Preis von je 40 Reichstalern erworben haben. Insgesamt waren auf diesem Friedhof 192 Gruften vorgesehen.

Bestand an Gruften
auf dem im Jahr 1808 angelegten neuen Kirchhof, deren Anzahl 144 ist.

No. Käufer   No.

Käufer
1,2 Gebrüder Schmael   3,4,5 Peter Arnold Drenge
6 Wilhelm Nies   7 Gerhard Klüppelholz
8 Johannes Klüppelholz   9 Heinr. Wilh. Zibbenhaus
10 Joh. Wilh. Voßhoff   11,12,13 Joh. Heinr. Eckermann
14 Peter Morsbach   15,16 Wilhelm Teckbusch
17,18,19 Adolph Pixhaus   20,21,22 Wittwe Bleckmann im Offer
23,24 Joh. Heinr. Knapp zum Hof   25 Hermann Göhr
26,27,28 vor Herrn Prediger und Schullehrer sind bestimmt worden   29,30 Joh. Heinr. Knapp, Peters Sohn
31,32 Johannes Gaddum   33,34 Joh. Wilh. Tex
35,36,37 Johannes Gaddum, noch diese drei   38,39,40 Joh. Langenhorst zu Langenhorst
41,42,43 Peter Schwick   44 Peter Eickelbeck
45 Hermann Haßeley   46  
47,48 Gebrüder Engmann   49 Joh. Peter Brück
50,51 Johann Langenhorst in der Röbbeck   52,53,54 Heinrich Comberg
55,56,57,58 ‚Joh. Heinr. Borckhorst   59,60 Wittwe Bleckmann außm Bleck
61,62,63,64 Jacob Sprungmann   65,66,67,68 Joh. Peter Ditzhaus
69,70 Joh. Schalfenberg   71,72 Wilh. Schwalfenberg
73,74,75 Wilhelm Middeldorff   76,77,78 Peter Eigen aufm Sondern
79,80,81 Scheffen Stammeshaus   82,83 Peter von der Beck
84,85 Joh. Peter Karrenberg   86,87,88 Espey im Klüppelholz
89 Abraham Bruch   90 Johann Engmann
91,92 Joh. Heinr. Laubeck   93 Peter von der Beck
94,95 Wierich von der Beck   96 Joh. Peter Klüppelholz
97,98,99 Gerhard Hegmann   100,101,102 Gerhard Wordenbeck
103,104,105 Peter Fudikar   106 Wittib Heinr. Weyer in der Schmidtssteinbek
107 Wilh. Müllmann   108 Joh. Peter Hornscheid
109 Joh. Heinr. Weyerstall   110 Joh. Endemann
111,112,113,114 Gerhard Hitzbleck   115,116 Joh. Wilh. Wordenbeck
117 Joh. Diedr. Hermann in der Dalbeck   118 Wilh. Nies
119 Peter Gerhard Borckhorst   120 Herman  Esger am Alaunberg
121 Heinr. Wilh. Flieter am Langenberg   122 Gebrüder Hamer
123     124  
125,126,127 Joh. Langenhorst   128 Peter Benninghoven
129 Abraham Hahn   130 Georg Pattberg
131 Adolph Klus   132 Lomberg zu Oberkalkofen
133,134,135 Hülsbeck im Stock   136 Heinrich Kleinlöh
137 Geschwister Königs   138 Peter Kanlock
139 Witwe Neviand   140 Witte zum Hof
141 Peter Adolph Winter   142 Peter Lucas Cleffmann
143 Wierich Hülsbeck in den Birken   144 Wilh. Bircken

Bereits eine Generation später kam der Friedhof an seine Grenzen. Für die dringend erforderliche Vergrößerung wurde 1841 von den Lutheranern ein weiterer, über 4.000 m2 großer Teil des Erbgrundstücks zur Verfügung gestellt. Bei diesem Ausbau wurden das gesamte Wegenetz des Friedhofs und der Zugang von der Essen-Solinger-Straße erheblich verbessert und konnte trotzdem für beide Gemeinden kostenneutral gehalten werden. Die Briller Straße (heutige Bahnhofstraße bis zur Oststraße), der weitere Zugang bis zum Friedhof und alle Friedhofswege wurden im Juni 1842 mit insgesamt 200 Tonnen Kiessand etwa 5 bis 6 cm dick bedeckt.

Der Sand wurde von den evangelischen Landwirten kostenlos innerhalb von 2 Wochen vom Bleiberg mit 223 Fuhren angekarrt. Die eigentlichen „Straßenbauarbeiten“ wurden für einen Tageslohn von 15 Silbergroschen (= ½ Thaler oder 150 Pfg.) ausgeführt. In den entstandenen Kosten von 77 Thalern und 15 Silbergroschen waren auch 223 Schnäpse für die Fuhrleute mit einem Stückpreis von ca.6 Pfennig enthalten. Alle entstandenen Kosten wurden durch eine Kollekte in beiden evangelischen Gemeinden aufgebracht. Die neu entstandene Straße hieß seitdem und bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein „Kirchhofstraße“.

 

Der erweiterte Friedhof hielt jedoch gerade einmal zehn Jahre vor. Bereits 1852 musste die nächste Erweiterung vorgenommen werden. Dieses Mal stellten beide Gemeinden Teile ihres ehemaligen „Küstereigrundes“ zur Verfügung, der sich an der Südostseite des Friedhofs anschloss. Die Friedhofsfläche betrug nun 9.500 m2 und erstreckte sich damit bis an die heutige verlängerte Kurze Straße. (Anmerkung: Diese Fläche entspricht ungefähr der Größe des heutigen „Stillen Parks“ einschließlich Kindergarten).

Dreißig Jahre lang reichte dieser Friedhof für die Velberter Bevölkerung aus, dann musste 1882 der rapide steigenden Einwohnerzahl Tribut gezollt werden. Auf der Südostseite der verlängerten heutigen Kurze Straße wurden nochmals 5000 m2 Ackerland aus Pfarrbesitz für den Friedhof zur Verfügung gestellt. Dieses Gräberfeld zog sich 100 m weit am „Fried- hofsweg“ entlang und reichte 50 m weit in Richtung heutige Grünstraße. Damit hatte der Friedhof seine größte Ausdehnung erreicht, denn 1903 beschloss das Presbyterium, einen neuen Friedhof zu eröffnen. Dieser wurde im September 1905 an der unteren Bahnhof- straße eingeweiht.

Mit der Eröffnung des Velberter Hauptbahnhofs 1925 erwarb die Stadt Velbert den „Friedhofsweg“ unter strengen Auflagen von der Gemeinde, um eine kurze Verbindung zwischen Bahnhof und Stadtmitte zu schaffen. Der jüngste Teil des „Alten Friedhofs“ südöstlich dieses Weges wurde im Rahmen eines größeren Grundstücktauschs in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts an die Stadt Velbert abgegeben, die dort einige Jahre später die Pestalozzi-Schule erbaute.

Der nordwestliche, ältere Teil des Friedhofs zeigte sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts von seiner schönsten Seite. Die durch die Industrialisierung wohlhabend gewordenen Velberter Bürger trieben auch für ihre Verstorbenen viel Aufwand. Tolle Grabmale waren hier zu sehen. Die einzelnen Familiengruften waren -wie sollte es in der Stadt der Schlösser und Beschläge anders sein- mit kunstvollen schmiedeeisernen Einfassungen versehen, ein wahres Denkmal Velberter Schlosserkunst.
Grabmal Beer 1983 Grabmal Beer 1986

 

1904 wurde von der Kirchengemeinde ein dazu passender schmie- deeiserner Zaun mit einem entsprechenden Eingangsbereich als Ab- schluss zur Kirchhof- straße hin errichtet.

Zwischen 1983 und 1986 wurde ein wesentlicher Bestandteil der Grab- stätten, nämlich alle schmiedeeisernen Gitter einschließlich des Zauns zur Bahnhofstraße aus „Unfallschutzgründen“ entfernt.

Auch nach der Eröffnung des neuen Friedhofs im Jahre 1905 an der Bahnhofstraße 96 wur- den im alten Friedhof immer noch vereinzelte Bestattungen bis ins Jahr 1960, vorzugsweise in den beiden ältesten Teilen, durchgeführt. In einem Beschluss des Presbyteriums vom 12.09.1960 wurde dann festgelegt:

  • Der Alte Friedhof mit einer Größe von 9.644 m2 wird ab 1. Januar 1961 endgültig geschlossen. Beerdigungen können letztmalig am 31.12.1960 vorgenommen werden.
  • Für die Zeit der gesetzlichen Verwesungsfrist von 20 Jahren behält der Alte Friedhof den Friedhofscharakter bis zum 31.12.1980.
  • Es soll späterer Beschlussfassung vorbehalten bleiben, ob nach 1980 der Alte Friedhof den Friedhofscharakter durch Aufmachung als öffentliche Parkanlage verlieren soll oder nicht.
  • Aus Gründen der Pietät sollte vor dem Jahre 2000 das Friedhofsgelände für Verkehrs- oder Bebauungszwecke nicht frei gegeben werden.

Bereits 1973 wurde an der Südostecke des verbliebenen Alten Friedhofs ein neuer evangelischer Kindergarten für die Innenstadt eröffnet.

Am 9. September 1986 wurde zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt Velbert ein Vertrag geschlossen, in dem sich die Stadt verpflichtete, auf ihre Kosten den Alten Friedhof umzugestalten und laufende Pflege und Unterhaltung zu übernehmen. Im Gegenzug stellte die Gemeinde die Gesamtanlage nach der Umgestaltung als „Stillen Park“ der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dieser Vertrag wurde mit einer Laufzeit von 30 Jahren abgeschlossen.

Im Vorfeld dieses Vertrages hat Rainer de Bruyckere, damals Mitarbeiter im Deutschen Schloss- und Beschläge Museum, zwischen April und Juni 1986 eine Foto-Dokumentation der noch vorhandenen (etwa 80) Grabstätten erstellt, die mit freundlicher Genehmigung des Fotografen im Archiv der ev. Kirchengemeinde abgelegt und dessen Inhalt diesem Bericht als Anhang beigefügt ist.

Durch Beschluss des Planungsausschusses der Stadt Velbert vom 11.11.1987 wurde der Alte Friedhof in die Denkmalliste eingetragen, und zwar „in seiner jetzigen Größe, das alte Wegesystem in Form eines Kreuzes und die verzeichneten Grabsteine.“ Die Begründung der Denkmaleigenschaft lautet:

„Die erste Anlage des Friedhofes stammt aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts, die jetzt noch vorhandenen Grabsteine sind aus dem 19./20. Jahrhundert. Die für die Entwicklung der Stadt Velbert maßgebenden Bürger haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Der Friedhof ist daher für die Stadtgeschichte von großer Bedeutung. Der Erhalt liegt aus stadtgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.“

Bleibt die Frage, wie Kirchengemeinde und Stadt Velbert mit dem augenblicklich nicht besonders attraktiven Zustand des „Stillen Parks“ in Zukunft umgehen können und wollen.

April 2013 / Gerd Lensing

 

 

 

ANHANG BILDDOKUMENTATION

Rainer de Bruyckere hat zwischen April und Juni 1986 Bilder und Detailbilder der damals noch auf dem Friedhof vorhandenen Grabmale fotografiert und verzeichnet. Nach eigener Aussage hat de Bruyckere bei seinen Fotos mehr Wert auf Dokumentation der Gräber und der Namen der Toten als auf die Darstellung des Friedhofs gelegt. Es mag also Zufall sein, dass auf nur einem einzigen Bild eine schmiedeeiserne Grabeinzäunung zu erkennen ist.

In de Bruyckere‘s Aufstellung gibt es insgesamt 20 Bildtafeln, jede besteht aus 4 Zeilen und 4 Spalten von Einzelbildern, maximal also 16 Bilder pro Tafel. Dabei sind allerdings mehrfach fotografierte Objekte, aber auch verwischte, unscharfe und unlesbare. Immerhin sind die Grabstellen von 78 Velberter Familien in seiner Arbeit nachweisbar festgehalten.

Im Anhang zu dieser Geschichte des Alten Friedhofs gibt es lediglich ein Verzeichnis dieser Grabstätten-Bilder alphabetisch nach Familiennamen sortiert. Die Originalbilder können im Gemeindearchiv eingesehen werden.

 

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Familie(n)

 

Familie(n)

  Familie(n)

B

 

H

 

N

Becker

 

Hasenkamp

 

Niederdrenk

Beer

 

Heegemann

 

Nocken

Bellwied

 

Heidtmann / Oetzbach

 

O

Berninghaus

 

Herminghaus

 

Oetzbach

Bruck, vom

 

Hoff, vom / Munkenbeck

 

Ortmann

Brunnöhler

 

Hohagen

 

Rohmann

C

 

Holler / Günther

 

Ronstadt

Christ

 

Hülsbeck / Nordeck

 

Ruhrmann

Comberg

 

J

 

S

D

 

Jahn

 

Sasse

Ditzhaus

 

Judick

 

Schorn

Dornemann

 

K

 

Schwepper

E

 

Karrenberg

 

Schwick

Ehrenberg

 

Knapp

 

Sontum

Eigen

 

Kneip

 

Stiefken

Erbach

 

Knickmeyer, Dr.

 

T

Erley

 

Kölver

 

Tiefenthal

Espey

 

Krieger

 

Tonscheidt

F

 

Kuhs

 

W

Fingscheid Wordenbeck

 

Kurr

 

Wiegold

Finkentey

 

L

 

Winter

Flohr

 

Ladwig

 

Wittkopp

Freieck

 

Langenhorst

 

Z

Freymann

 

Langenkamp / Brüssel

 

Zibrovius

Füllbeck

 

Lechmig

 

Ziergitter

G

 

M

   

Glittenberg

 

Mohn

   

Grebe

 

Mohnhaus

   

Grosssteinbeck

 

Müller

   

Grünscheidt

 

Mushacke

   

Guthan

 

     

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Mitarbeiter des Archivs

 

 

Dr. Ingomar Haske



Wolfgang Erley

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