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der Ev. Kirchengemeinde
Velbert


Johann Friedrich Zimmermann


In diesen Tagen habe ich eine Reise in die Vergangenheit angetreten.
Ja, ich war in einer anderen Welt. Und das kam so.
Eine Studentin der Universität Duisburg-Essen
suchte für Ihre Doktorarbeit Predigten evangelischer Pfarrer aus der Zeit vor 1850.
Bei meiner Suche im Archiv fand ich zwei Predigten, die bei der Beerdigung des lutherischen Pfarrers Johann Friedrich Zimmermann im Jahre 1753 gehalten wurden.
Zusammen mit gereimten Beileidsbekundungen seiner Angehörigen und Freunde sind diese Predigten gedruckt und zu einem Buch gebunden worden. Ein wahrlich literarischer Schatz.

Bei der ersten Predigt handelt es sich um eine "Standrede", die im Freien neben dem Sarg und der Gruft gehalten wurde. Es steht vermerkt, dass sie wegen widriger Witterungs-verhältnisse verkürzt vorgetragen wurde.
Na ja, das Velberter Wetter!

Die Standrede umfasst 20 Seiten. Ich habe laut und flott gelesen und die Zeit gestoppt: unter drei Minuten  pro Seite war da nichts zu machen. Also musste die Gemeinde gut eine Stunde am Grab stehen und der Predigt lauschen.
Dabei verspricht der Prediger am Anfang, sich kurz zu fassen im Blick auf die nachfolgenden Redner und auch, "um die Geduld der Zuhörer nicht zu missbrauchen".
Die dann in der Kirche folgende Leichenpredigt umfasst übrigens 40 gedruckte Seiten. Nun dürfen Sie, liebe Gemeindeglieder, rechnen.

 


Diese für uns nicht enden wollenden Predigten sind in vielen reformierten Gemeinden durchaus noch üblich. Die lutherischen Pfarrer halten es da mit Rücksicht auf uns ungeduldige moderne Menschen so, wie es einst Pastor David sagte: "Ich darf über alles reden, nur nicht über 20 Minuten". - Vor 260 Jahren sah das die Velberter Gemeinde sicher ganz anders.

Die Ausführlichkeit der Textauslegung passt auch so gar nicht mehr in unsere Zeit. Ein Beispiel: Der Prediger, ein Freund des Verstorbenen, warnt vor falschen Zeugen der frohen Botschaft Christi und zitiert nun reihenweise alles, was über dieses Thema im Alten und im Neuen Testament zu finden ist. Der Versuch, jedes Problem von allen Seiten zu betrachten, führt natürlich zu diesen endlosen Predigten.

Meine Reise in die Vergangenheit endet mit der Betrachtung der Sprache des Predigers vor 260 Jahren. Viele Sätze musste ich zweimal lesen, um die Aussage zu verstehen. Andererseits bin ich mir sicher, dass die Leute von damals uns auch kaum verstehen würden. Es war damals in Vielem eine andere Zeit.

Eines hat mir sehr gefallen: Es durfte über den Verstorbenen kein Loblied gesungen werden. Das war nicht schriftgemäß.

Dr. Ingomar Haske

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Mitarbeiter des Archivs

 

 

Dr. Ingomar Haske



Wolfgang Erley

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