Inhaltsbereich

aktuell

Predigt

16.7.2017

Gott ist Liebe (1. Joh 4,16)

Manche Leute kennen sich wirklich gut aus mit Bibelversen. Zum Beispiel unser Superintendent.  Das ist der leitende Pfarrer unseres Kirchenkreises.

Da bin ich neulich nach einem Pfarrertreffen vom Parkplatz gefahren und dann winkt er mir und sagt: „Die 316 war wohl nicht verfügbar, oder?!“

Richtig. Genau das.

Er hatte unser Nummernschild gesehen: ME JC 416. Und er hatte das genau richtig analysiert. ME – ist klar. JC – na… ?  Steht für Jesus Christus.

Und 416 – ist für manche Christen der zweitschönste Bibelvers.   Nach 316.

Das hatte unser Superintendent sofort mit Kennerblick erkannt.

316 meint das Evangelium nach Johannes, Kapitel 3, Vers 16. 416 meint den ersten Brief des Johannes, Kapitel 4, Vers 16.

Und er hatte genau richtig geraten: Johannes 3, Vers 16 wollte ich haben, das war aber als Kennzeichen bereits vergeben,  also wurde es 1. Johannesbrief 4, Vers 16.

Jetzt stellt sich die Frage: Was steht denn da? Und warum ist das so wichtig?

Wer weiß, was da in 1. Johannes 4, Vers 16 steht?

Pfarrer Uwe Flaig

„Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

„Gott ist Liebe.“    Das klingt … ziemlich gut. Auch irgendwie vertraut. Andererseits … kann man das Wesen und den Charakter von Gott überhaupt so klar und eindeutig auf den Punkt bringen: Gott ist Liebe? Ist das nicht eine unzulässige Verkürzung? Ist über das Wesen von Gott nicht auch noch manch anderes zu sagen?

Die großen Religionen sind da durchaus verschiedener Meinung. Wir sagen „Gott“, aber es ist damit noch nicht gesagt,  wie wir dieses Wort dann inhaltlich füllen: Was wir denken, wie Gott drauf ist. Was sein Wesen ist. Was er will. Und mit welchen Mitteln er seine Ziele erreichen will.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist im Islam die wichtigste Eigenschaft von Allah – seine Größe. Seine Freiheit. Und Unabhängigkeit. Allah ist nicht gebunden.

Und Glauben ist im Kern Hingabe. Anerkennen: Allah ist der Größte.

Im Buddhismus geht es eigentlich überhaupt nicht um Gott, sondern es geht darum,  mit dem Leid, was das Leben für uns bereithält, möglichst gut umzugehen,   eine Einstellung zu finden, die uns hilft,  das Leid anzunehmen und ins Leben zu integrieren.  Yin und Yan.

Beim Glauben an Jesus ist das zentrale Thema tatsächlich die Liebe:

„Gott ist Liebe.  Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Das bedeutet: Ziel unseres Lebens ist es, Menschen zu werden, die lieben. Nichts anderes. Menschen zu werden, die Gott von ganzem Herzen lieben.  Die zu sich selbst eine liebevolle Beziehung haben. Und zu ihren Mitmenschen auch.

Woher kommt das? Wieso ist beim christlichen Glauben die Liebe das zentrale Thema? Und was ist da mit diesem Wort Liebe überhaupt gemeint?

Damit kommen wir zu der anderen Bibelstelle, Johannes 3, Vers 16, die ganz grundlegend beschreibt,  was eigentlich hinter dieser ganzen Jesusgeschichte steckt:         

„So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gegeben hat.“

Ich weiß nicht, ob ihr euch manchmal die Frage stellt:  Wie kann ich eigentlich glauben, dass Gott da ist und uns liebt,  wenn manchmal so ganz schlimme Dinge passieren: Unfälle, Gewalt, Krankheit, Krieg, Tod, Hass, zerbrochene Familien usw.

„So hat Gott die Welt geliebt…“, – ja wie denn? Dass es das alles nicht mehr gibt? Kein Leid? Keinen Tod?

Oder wie sonst?

„So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gegeben hat.“

Gott gibt. Gott investiert.

Er gibt seinen Sohn. Er gibt nicht irgendwas. Er gibt – sich selbst. Sein Sohn, das ist letztlich Gott selber, als Mensch hier auf der Erde: Jesus. Weihnachten. Das Kind in der Krippe. Der Heiler und Prediger. Der Mann am Kreuz. Hier zeigt Gott, wie er zu uns steht. Er steht nämlich gar nicht, sondern er setzt sich in Bewegung.

Das, wie es uns hier in unserem Leben ergeht, alles das krumme und schiefe, das, woran wir leiden, das geht nicht an ihm vorbei.  

Und das nimmt er auch nicht morgens beim Zeitung lesen mit Bedauern zur Kenntnis. Sondern das setzt ihn in Aktion. Genauer: Das hat ihn schon längst in Aktion gesetzt.

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab.“ Sich selber – hat Gott hineingegeben in unsere Welt. Er ist runter gekommen. Mensch geworden. Er ist ganz tief eingestiegen in das, was in unserer Welt und in unserem Leben aus dem Ruder läuft, womit wir nicht fertig werden, was krank oder zerbrochen ist.

Und das bedeutet zum einen: Wenn es mir mal überhaupt nicht gut geht, wenn ich an mir selber leide, am Leben leide, an anderen leide, mit anderen mitleide, dann ist Gott wo?  Im Himmel?     Oder neben mir, an meiner Seite?

Diese Jesus-Geschichte bedeutet:  Ich habe guten Grund zu glauben, dass Gott an meiner Seite ist, auch wenn meine Situation mir gerade „gefühlt“ was ganz anderes erzählt. Und darauf kommt’s doch wirklich an.  Wenn es mir nicht gut geht, dann brauche ich keinen, der mich vertröstet. Dann brauch ich auch keinen, der mir das Leid „erklärt“.  

Sondern ich brauche einen, der nicht weggeht. Der bei mir bleibt und das Ganze mit mir aushält und trägt.

„So hat Gott die Welt geliebt, dass er Mensch geworden ist und sich an deine Seite gestellt hat.“

Und das bedeutet noch etwas Zweites: Es bedeutet, dass Gottes Genialität und Größe gerade darin besteht, dass er in der Lage ist, sich klein zu machen: Seinen Himmel zu verlassen und auf menschliche Weise bei uns zu sein.

Gottes Größe ist nicht so sehr das, was Menschen sich manchmal darunter vorstellen: So ’ne Art göttlicher Supermann, der alles Leid verhindert.  Superman, Batman, Spiderman usw., das sind alles menschliche Konzepte, wie ein Retter auszusehen hat. Am besten mit magischen Fähigkeiten.

Aber Gott ist eben auch darin groß, dass er in der Lage ist, sich zurückzunehmen, sich klein zu machen, auf Augenhöhe zu kommen. Wie cool ist das denn!

So, und wenn diese ganze Jesus-Sache damit zu tun hat,  dass Gott Mensch geworden ist, um uns ganz nah zu sein, uns nicht im Stich zu lassen, sondern auch in den dunkelsten Stunden bei uns zu sein, was ist es dann, was ihn da antreibt?

Was zeigt sich da von Gottes Wesen?   ???

„So hat Gott die Welt geliebt…“

Und deswegen heißt es im ersten Johannesbrief kurz und knackig:

„Gott ist Liebe.“ Punkt. Aus. Nichts weiter.

Für mich zeigt sich in Jesus – deutlicher als irgendwo anders in der Bibel, dass Gott liebt. Dass Gott Liebe ist.

Und dass all die Gottesvorstellungen, die noch mit Hass und Gewalt zu tun haben, auf den Schrott gehören. So ist Gott nicht.

Und Glauben bedeutet: Die Augen aufzumachen,  Jesus anzuschauen – und in Jesus Gott in die Augen zu schauen: „So sehr liebst du mich? Gott, so nahe kommst du mir? Du bleibst bei mir, haust nicht ab, wenn es schwierig wird? Du lässt mich nicht im Stich?“

Meine Kollegin Maret hat mal gesagt: „Alles Lieben fängt damit an, dass ich geliebt werde.“

Und dann hat sie gesagt: „Und hier kommt Gott ins Spiel“.

Natürlich ist die allererste Liebeserfahrung, die ich in meinem Leben machen kann, dass meine Eltern mich lieb haben und für mich da sind, sich um mich kümmern und mir den Rücken frei halten.

Aber – je älter wir werden, umso deutlicher wird,  dass menschliche Liebe auch ihre Grenzen hat.

Kleine Kinder können uns manchmal schon arg an unsere Grenzen bringen.

Und wir Eltern sind auch nicht fehlerlos.  Wir haben auch mit uns selber zu kämpfen, mit eigenen Ängsten. Und wir können auch nicht immer da sein.

Irgendwann ist es wichtig, dass wir Menschen diese grundlegende Erfahrung machen: Gott ist an meiner Seite. Gott liebt mich. Gott investiert sich für mich.   Gott ist Liebe. Pfarrer Uwe Flaig

Und diese Liebe bewirkt in mir etwas. Und verändert etwas. Die macht mich lebendig.  Die weckt in mir die Fähigkeit, mein eigenes Ego loszulassen, meine Ängste loszulassen, weil Gott ja für mich ist. Das ist nicht nur ’ne Kopfsache. Das ist vor allem auch eine Herzenssache.

Und es ist wichtig für meine innere Gesundheit: Dass die Liebe, die von Gott in mein Leben hineinfließt, etwas in Bewegung setzt, und auch wieder aus mir herausfließt und weiterfließt zu anderen Menschen.

Das ist ein bisschen wie bei einem See. Ein See ist letztlich kein stehendes Gewässer. Ein See lebt davon, dass auf der einen Seite etwas hineinfließt. Und das fließt auf der anderen Seite wieder hinaus. Und indem es durch den See hindurchfließt, hält es den See am Leben.

Es gibt einen sehr bekannten See, wo das nicht funktioniert. Das ist das Tote Meer. Der tiefste Punkt der Erde. Da fließt permanent gutes Wasser hinein. Aber es kann nichts abfließen. Und dadurch steigt in diesem heißen Klima der Salzgehalt so,  dass in diesem See kein Leben möglich ist.

Liebe nur zu konsumieren, nur Liebe in mich aufzunehmen, ohne auch Liebe weiterzugeben – ist irgendwie krank.  Und macht auf lange Sicht auch krank.

Andersherum: Zu lernen, mit Menschen so ähnlich umzugehen,  wie Gott mit mir umgeht, das ist eine echte Herausforderung.

Aber die hält fit und macht lebendig.

„Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“    

Amen.

zurück

Informationen über diese Website

evangelisch in Velbert · Evangelische Kirchengemeinde Velbert

CSS ist valide!