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Predigt

Predigt vom 18.11.2018

Matthäus 25, 11 – 29

Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten.

Dann reiste er ab.

Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen - und gewann noch fünf weitere dazu.

Ebenso gewann der, der zwei Talente erhalten hatte, noch zwei weitere dazu.

Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging hin und grub ein Loch in die Erde - und dort versteckte das Geld seines Herrn.

Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: „Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen!“

Sein Herr sagte zu ihm: „Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!“

Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: „Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen!“

Sein Herr sagte auch zu ihm: „Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!“

Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: „Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine!“

Pfarrer Martin Schmerkotte

Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: „Du bist ein schlechter und fauler Diener! Wenn Du gewusst hast, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe, dann hättest du mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten! Nehmt ihm also das Talent weg - und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben werden - und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat!

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, ob Sie das nachempfinden können – aber: mir tut der dritte Diener leid!

Dabei fängt das Gleichnis eigentlich sehr ermutigend an: Ein Mensch vertraut drei Männern sein großes Vermögen an - Talente! - ein Talent waren etwa 50 Kilogramm - und an dieser Stelle werden wir selbst sofort in diese Geschichte hineingenommen - die Doppeldeutigkeit des Wortes: „Talente“ - so dürfen wir das sehen: Unsere Talente sind anvertraute Gaben Gottes – und diese Gaben sollen uns ermutigen, sie auch einzusetzen.

Darauf liegt Segen!

Das erzählt das Gleichnis am Beispiel der ersten beiden Diener! Sie setzen das, was ihnen anvertraut ist, ein - und sie erleben, wie daraus etwas wächst. Dieses Tun wird ihnen zum Segen - und dem Herrn aller Gaben zur Freude.

Nun aber kommt das Problem des dritten Dieners: Die Gaben, die ihm anvertraut sind, werden für ihn nicht zu einer Quelle der Ermutigung, sondern zu einer Quelle der Angst. Das macht ihn mut- und visionslos! Er beantwortet das Vertrauen, das der Herr in ihn setzt, mit Angst und Misstrauen.

So fixiert er sich auf die vermeintliche Strenge des Herrn und auf seine Angst - so ist er nicht mehr in der Lage, das Vertrauen zu sehen, das in ihn gesetzt ist.

Wir berühren eine ernste Seite: Ist nicht auch in der Kirche oft von Gott so geredet und gepredigt worden, dass eher die Ängste des dritten Dieners kultiviert wurden, als das hoffnungsvolle Vertrauen der ersten beiden Diener???

Wenn aber erst einmal solche Angst und solches Misstrauen im Raum steht, dann kann „der Herr“ auch für mich leicht zu einem werden, der …. „erntet, wo er nicht gesät hat, und sammelt, wo er nicht ausgestreut hat!“

Aber: Woher weiß der dritte Diener eigentlich, dass der Herr so einer ist? Das Gleichnis selbst erzählt von einem ganz anderen Herrn! Der gibt reichlich – denken wir noch einmal im Bild: 50 Kilogramm Silber! - der traut zu - und ermutigt - ohne Bedingungen, Forderungen und Vorgaben. Und er freut sich über die Momente, wenn seine Diener ihre Talente einsetzen. Er freut sich über den Segen.

Doch: Mit seinen Gaben und Talenten allein bei sich selbst zu bleiben - und bei seiner Angst zu bleiben - DAS ERST macht aus dem Herrn einen solchen strengen und fordernden Herrn! Das Gottesbild – durch meine Angst verzerrt! JETZT ERST denkt der Diener in Lohn und Leistung - in Forderung und Bestrafung - so entsteht freudloser Glaube!

JETZT wird auch der Verdienstgedanke zum grundlegenden Zug der Gottesbegegnung. Ein angstvolles Gottesbild bringt einen angstvollen Glauben hervor! Wer in diesen Ängsten stecken bleibt, wird nie einen solchen leichten und fröhlichen Glauben entdecken können, wie ihn die beiden ersten Diener leben!

Denken wir noch einmal zurück an den Reformationstag. Mir ist aufgefallen: Den Urmoment der Reformation können wir an diesem Gleichnis verstehen. Denn was ist denn anderes geschehen, als dass Martin Luther vom Glauben des dritten Dieners – der Angst vor Gott und vor seinen scheinbar unmenschlichen Forderunge - zur Glaubens-Freude und zum Glaubens-Mut der ersten beiden Diener hindurchgedrungen ist?

Der dritte Diener kann in seiner Angst etwas ganz Entscheidendes nicht mehr sehen: Wir haben unsere Gaben nicht vor allem für uns selbst und für uns allein - diese Gaben sind eben gerade dafür da, eingesetzt – das heißt: „riskiert“ zu werden - und gerade das macht den Glauben spannend und lebendig - das ist der Schlüssel zu Segen!

„Unversehrt zurückgeben“, was man empfangen hat, ist eben deshalb kein Weg!

Der Blick soll sich umkehren: Im Verhältnis zu Gott geht es eben nicht um sturen Gehorsam, um Passivität und Angst, um formelles Erfüllen von Vorschriften und Regeln! Sondern es geht vor allem um: „Glaube – Hoffnung – Liebe“ - Alle drei sind riskant! - wer es wagt, Glaube – Hoffnung – Liebe zu leben, der „riskiert“ das, was er empfangen hat. Aber gerade das ist der Weg, den Glauben zu leben wie einer der ersten beiden Knechte! Gott ist kein Buchhalter und kein Kleinkrämer - und wenn wir aufhören, so zu leben, als wäre Gott ein solcher, dann begegnen wir eben dem Gott, der gibt, um zu segnen, und nicht, um zu fordern!

Und jetzt möchte ich Ihnen noch eine spannende Frage stellen: Was wäre eigentlich geschehen, wenn es einen vierten Diener gegeben hätte, der im Sinne des Herrn alles gewagt – aber dann auch alles verloren hätte? Der sozusagen einen „geistlichen Konkurs“ hingelegt hätte?

Spannend finde ich, dass Jesus in seinem Gelichnis diese Möglichkeit scheinbar überhaupt nicht vorsieht. Da ist dieses große Vertrauen: wenn Talente im Sinn des Herrn eingesetzt werden, dann beginnen Segensgeschichten! Aber wenn es doch so wäre, dass ein Diener geistlich in Konkurs geht, was würde der Herr dann am Ende zu ihm sagen?

Ich bin sicher, diesem Diener würde es so gehen wie seinen beiden ersten Vorgängern. Ihm würde vielleicht gesagt:

„Du hast im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe alles riskiert. Vielleicht scheint es so, als ob Du gescheitert bist. Aber Du bist ein treuer Diener Deines Herrn gewesen - bist in dieser Welt mit Deinen Gaben Zeuge seiner liebevollen Gegenwart gewesen - Komm – nimm teil am Freudenfest Deines Herrn!“

Ich möchte noch bemwerken: Die „Menge der Gaben“ setzt keinen Unterschied vor Gott - die beiden ersten Knechte werden beide in gleicher Weise vom Herrn angesehen.

Ein Mensch ist vor Gott nicht so viel wert, wie er aus sich macht – oder leistet – oder wie viel er vorzuweisen hat - ein Mensch ist vor Gott so viel wert, wie er sich von ihm schenken lässt!

So wird das Gleichnis zu einer großen Ermutigung: Geh mit Dir selber und mit Deinen Gaben nicht um wie ein dritter Diener - bleib nicht stecken im Misstrauen - brich auf ins Vertrauen!

Mach Gott nicht kleiner, als er ist, dass Du Dich vor ihm fürchten müsstest! Oder – wie es Frère Roger, der Gründer der Lebensgemeinschaft von Taizé einmal gesagt hat: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast – und sei es auch noch so wenig!“

Oder in Anlehnung an ein Wort von Jesus selbst: „Stell Dein Licht nicht unter den Scheffel - erkenne in Deinen Gaben Gottes Segen - und dann lass Dein Licht leuchten, dass sich die Menschen in Deiner Nähe und Gott selbst freuen.“

Und jetzt versuchen wir doch einmal, in dieser Weise zu denken vom …. Basarteam unserer Gemeinde ….. vom Besuchsdienst unserer Gemeinde ….. von der Archivarbeit, die in unserer Gemeinde wichtig ist ... von den Menschen, die sich im Team der „Offenen Kirche“ einsetzen …. (die Liste könnte noch weiter forgesetzt werden)

Jeder dieser Bereiche (und es sind ja noch viel mehr!) lebt davon, dass Menschen da sind, die ihre Talente einbringen. Jeder dieser Bereiche hat immer auch neue Menschen nötig, die ihre Talente eben nicht für sich behalten und vergraben - sondern die bereit sind, ganz konkret „Glaube – Hoffnung – Liebe zu riskieren“.

Könnten wir uns mit unserem heutigen Gleichnis nicht einmal fragen, ob nicht auch bei uns manche – vielleicht sogar viele – Talente aus Angst zurückgehalten und vergraben werden?

Lasst uns die Ermutigung hören, die auch zu uns durchdringen will: „Brich auf – gehe ein zum Freudenfest Deiner Herrn!“

Amen.

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