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Predigt

Martin Luther – seine Wurzeln und was er bewegte

Der Versuch einer Würdigung

Er war schon ein alter Mann gewesen, Dr. Martinus Luther, der gleichwohl auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurückblicken konnte. 1545, ein Jahr vor seinem Tod, war er gebeten worden, ein Vorwort zu verfassen zur Gesamtausgabe seiner lateinischen Schriften. Also begab er sich noch einmal daran und ließ seinen Gedanken freien Lauf bis zurück ins Jahr 1517, als alles seinen Anfang genommen hatte.
Gerade einmal knapp 34 war er da erst gewesen. Als Mönch im strengen Augustiner-Eremiten-Kloster zu Wittenberg hatte er willentlich einen entsagungsvollen Weg auf sich genommen. Er wollte Gott unbedingt in der Tiefe seiner Existenz begegnen. Darum hatte er begonnen, förmlich in die Heilige Schrift „hineinzukriechen“ - auf der Suche nach dem Gott, den er mit ganzem Herzen lieben konnte. Denn der „gerechte“ Gott, wie ihn die Bibel lehrte, war für ihn bisher furchteinflößend gewesen.

Pfarrer Christopher Preis
Foto Hajo Gottwald

Luther ging den Weg konsequenter und mitunter mühsamer Bibellektüre – Tag für Tag, sogar auch nachts. Er entwickelte im beharrlichen Lesen eine Liebe für Gottes Wort, das ihm in seiner vielfältigen Bedeutung und Ausrichtung immer wertvoller wurde. Ja, auch dem großen Reformator war theologische Erkenntnis offenbar nicht einfach zugefallen, wie er selbst sagte: „Dies erzähle ich darum, damit du daran denkst, dass ich keiner von denen war, der nur durch eifriges Schreiben und Lehren weiterkamen“. Nein, das Hören wurde für ihn in entscheidender Weise der Ausgangspunkt reformatorischer Erkenntnis(se).
Luther selbst war und blieb zeitlebens ein Suchender, der mit „verwegen anmutender Radikalität den Konsequenzen seiner Erkenntnisse folgte“ (J. Bohl).
Da war die Frage nach Gott grundlegend, dass Glaube lebt und wächst in der Begegnung mit der Heiligen Schrift; und dass man sich Gottes Liebe nicht „erarbeiten“ kann. Sie ist Geschenk, die im Glauben ergriffen werden und prägend sein kann für ein ganzes Leben.
Ausgehend von dieser neuen und befreienden Erkenntnis entwarf Luther das Bild einer spirituellen Gemeinschaft von Christen, unter denen es keine Rangordnungen mehr geben darf. Der Gedanke, dass vor Gott alle gleich sind, führte ihn zu der Konkretion, dass jeder gleichermaßen seinen Beitrag zum Gelingen dieser Gemeinschaft beitragen kann - und soll! Eine „Berufung“ gab es demnach nicht allein zum geistlichen Beruf eines Pfarrers, sondern im Grunde auch zu jeder anderen Tätigkeit in der Gesellschaft. In der deutschen Sprache hat seit Luther das Wort „Beruf“ einen ganz besonderen Klang. Und es begann seitdem ein langer, segensreicher Weg der Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger an der Mitgestaltung der öffentlichen Angelegenheiten.
Eine andere Tiefen- und Breitenwirkung der Reformation war eine groß angelegte Bildungsoffensive, die jeden mit einbezog, egal welcher Klasse oder Schicht er angehörte. Luther wollte, und dies war ein hohes Ziel zu damaliger Zeit, dass jeder Mensch aus eigenen Stücken die Bibel lesen konnte. Niemand sollte zur Wahrheitsfindung und Urteilsbildung auf andere Autoritäten angewiesen sein müssen.
Es entstanden im Laufe der Zeit „Volks“-Schulen, die Jungen und Mädchen gleichermaßen Zugang gewährten. Philipp Melanchthon, ein enger Vertrauter Luthers, galt bald als Wegbereiter und wurde später der „Lehrer Deutschlands“ genannt.
Das sind nur einige Wurzeln, von denen die Kirchen der Reformation, und weitere darüber hinaus, sich bis heute nähren.
Wahr ist, dass die reformatorischen Erkenntnisse, die untrennbar mit dem Namen Martin Luthers verbunden sind und sich Bahn brachen, bis heute unser Zusammenleben hier bei uns in Kirche und Gesellschaft ermöglichen und prägen.

Die Erinnerung an den Beginn der Reformation 1517, vor genau 500 Jahren also, möge uns unserer reformatorischen Wurzeln, nicht zuletzt dank Martin Luther, vergewissern und für die Zukunft ermutigen – getreu dem Wort Luthers, das sein grenzenloses Vertrauen in die guten Verheißungen Gottes widerspiegelt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen!“

Christopher Preis

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