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Predigt

10. 09. 2017
Gottesdienst in der Christuskirche zum „Tag des offenen Denkmals“
Motto des Tages des offenen Denkmals 2017:

„Macht und Pracht“

Einführung Die Christuskirche ist hier in der Velberter Innenstadt ein in besonderer Weise bemerkenswertes Bauwerk!

Klaus Saeger (in Velbert und darüber hinaus wohlbekannt) schreibt in der Festschrift: „450 Jahre evangelisch in Velbert“ (2010) in seinem Beitrag: „Christuskirche sollst Du heißen …. - Zur Baugeschichte und Architektur der Velberter Christuskirche“:

„Es muss als Tatsache hingenommen werden: An Denkmalen und Bauwerken der älteren Zeit war die Stadt Velbert nie reich - und weniges ist vom historischen Baubestand bis heute erhalten geblieben. Die Evangelische Christuskirche dagegen bildet in dieser Sachlage eine Ausnahme. Ist sie doch ein wertvolles Zeugnis und gewissermaßen ein Glanzpunkt der jüngeren städtebaulichen Entwicklung mit Eigenschaften eines beachtenswerten Bauwerkes.“

Wer – der Velbert kennt – wollte da widersprechen!

Heute - am Tag des offenen Denkmals - soll hier in unserer Gemeinde die Christuskirche im Mittelpunkt stehen.

Allerdings: wir wollen nicht einfach einmal mehr an die Schönheit dieser Kirche erinnern - an ihre besondere architektonische Bedeutung auch hier mitten in unserer Stadt - (das auch! Sie werden im Anschluss an diesen Gottesdienst Gelegenheit haben, sich ausführlich führen und informieren zu lassen).

Aber: Dieser Tag des offenen Denkmals steht unter dem Thema: „Macht und Pracht“.

Und so möchten ich den Blick in diesem Gottesdienst vor allem auf diese Frage lenken: Wessen Macht drückt sich in diesem Bauwerk aus - aus welchem Geist heraus ist dieses prächtige Bauwerk entstanden?


„Macht und Pracht“ - Gedanken aus einem Austausch zum Thema mit Dr. Haske vom Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Velbert

Dr. Haske hat mir von seinen Recherchen über das alte velbert erzählt: Wer alte Ansichten und Bilder von Velbert anschaut, der wird auf den ersten Blick sehr wenig entdecken können, was er mit den Stichworten: „Macht und Pracht“ in Verbindung bringen könnte.

Velbert ist eine kleine Stadt. Die landwirtschaftlichen Strukturen sind deutlich ausgeprägt, aber der Boden ist nicht so ertragreich, dass im Normalfall über die Landwirtschaft Wohlstand zu erwirtschaften wäre. Fachwerkhäuser prägen das Ortsbild; erst langsam entstehen etwas repräsentativere Gebäude aus Stein (vor allem auch öffentliche Bauten). Es gibt viele Zeugnisse von harter Arbeit; oft unter schweren Bedingungen. Ein Bild, das häufig zu finden ist: der Schuppen oder Anbau im Hinterhof, wo Metall bearbeitet wird. Sie alle wissen: gerade dieser Bereich hat die Entewicklung der Stadt Velbert ganz maßgeblich geprägt.

Dr. Haske sagte mir dann: „Diese alten Bilder haben sehr wenig „Mächtiges und Prächtiges“ - die eigentliche Pracht Velberts ist der Fleiß der Menschen, die hier gelebt haben, die in oft sehr einfachen Verhältnissen hart und viel arbeiten - oft auch ohne Rücksicht auf Gesundheit und Familie. Alles, was in Velbert dann entstanden ist, entwickelt sich von diesem Fundament her.

Langfristig verändert Velbert dann seinen Charakter. Dabei eine besondere Zeit: die sogenannte Gründerzeit - die zweite Reichsgründung und die Kaiserzeit nach dem Deutsch-Franzöischen Krieg (1870/71).

Es entstehen immer größere industrielle Strukturen - das Bürgertum entwickelt in einer ganz neuen Weise Wohlstand, Einfluss und Macht. Diese Entwicklung hält ungebrochen an bis zum Einschnitt des Ersten Weltkriegs. Die Stadt wächst rasant - das Stadtbild verändert sich maßgeblich.

Jetzt ist die Zeit, in der der Ruf nach einer größeren und angemessenen Evangelischen Kirche in der Stadt laut wird. Jetzt beginnen die Initiativen und Planungen, in deren Folge dann die Christuskirche hier an Ort und Stelle entstehen wird.

Erstaunlich sind viele Dinge, die der Fleiß unseres Archiv-Teams in diesem Zusammenhang in Erinnerung bringt:

Die Kirchengemeinde stemmt die Finanzierung der Kirche aus eigenen Mitteln – d.h.: ohne städtische oder staatliche Zuwendungen. Es muss natürlich ein Darlehn aufgenommen werden. Die Gesamtkosten des Baus werden mit etwa 260. 000 Mark veranschlagt. (Was war eine Mark damals noch wert! Und: auch damals wird sich dann herausstellen, dass die tatsächlichen Baukosten den Planungsrahmen deutlich überrschreiten werden.)

In einer großen Gemeindeversammlung kann der damalige Pfarrer Lemmer „unter allgemeiner gewaltiger Bewegung“ bekannt geben, dass etwas ein Fünftel der Gesamtkosten als Gaben aus der Gemeinde zusammengekommen sind. Jeweils zweckgebunden für Fenster, Geläut, Altar, Kanzel …...  Es wird protokolliert: „Fast alles, was zur inneren Ausschmückung der Kirche gehört, war geschenkt!“

Ein gewaltiges Zeichen! Auf mehrfach geäußerten Wunsch - so festgehalten - werden die Namen der einzelnen Geber in der Versammlung nicht genannt.

Ich möchte also festhalten: Die Christuskirche spiegelt in besonderer Weise auch den Geist dieser Zeit - auch die Veränderungen, die Velbert in dieser Zeit erfahren hat. Die Christuskirche ist auch ein Zeugnis des gewachsenen Selbstbewußtseins und Wohlstandes des Bürgertums in der Kaiserzeit.


Pfarrer Martin Schmerkotte
Foto: Kerstin Parschat
Predigt zu Ausschnitten aus dem 2. Buch der Chronik,  Kapitel 3-6
Wann bauen Menschen „Gottes-Häuser“? - Damals wie heute? Wann bauen sie solche Bauwerke, die in einer symbolischen Weise Menschen-Wirklichkeit und Gottes Gegenwart zusammenbringen sollen? Die auf eine tiefe Weise davon zeugen sollen: „Hier wohnt Gott - mitten unter seinen Menschen!“ ?

Ich möchte einige Antworten wagen  (ich weiß natürlich, dass diese nicht ausreichend sind): Menschen bauen Gottes-Häuser,  - wenn sie sesshaft geworden sind - wenn sie festen Boden unter den Füßen haben – wenn die äußerlichen Verhältnisse und öffentlichen Strukturen gefestigt und verlässlich  sind - - wenn die Sorge um das tägliche Brot nicht mehr eine tägliche Aufgabe ist und sich der Wohlstand vermehrt. Es gibt noch viel mehr Gründe! Menschen, die sich ihrer Zukunft nicht sicher sind - die sich immer wieder auf den Weg machen müssen - die leben mit Provisorien - die bauen keine großen Häuser - auch nicht für Gott.

Für das Volk Israel gab es eine lange Zeit der Unsicherheit und Nicht-Sesshaftigkeit. Und dann eroberte es sich das Land der Verheißung - und dann setzte es selbst eine Königsherrschaft über sich ein - und dann - als unter dem König Salomo die staatlichen Strukturen erfolgreich etabliert sind - ein Steuer- und Abgabensystem – (das für viele Menschen sehr schnell sehr drückend wurde!) - eine Verwaltung mit einem Beamtenstand - eine stehende Berufsarmee - und nun eben auch Könige, die der Macht- und Prachtentfaltung ihrer orientalischen Nachbarn erfolgreich nacheifern - dazu eben auch führende Beamte und erfolgreiche Kaufleute, die zu wirklichem Reichtum gekommen sind - dann reichte das Provisorium der Stiftshütte, die bis dahin als Heiligtum der Wüstenwanderung gedient hatte – wie ein großes Zelt, das man auf dem Weg auf- und abbauen kann - nicht mehr aus.

„Pracht“ - in der sich menschliche Macht ausdrückt –  soll nun auch das Symbol der Gegenwart Gottes bei den Menschen auszeichnen.


(Aus dem 2. Buch der Chronik):
 „Salomo fing an, das Haus des Herrn zu bauen in Jerusalem. Die große Halle aber täfelte er mit Zypressenholz - und überzog sie mit dem besten Gold - und brachte darauf Palmen- und Blumenwerk an. Und er zierte die Halle mit edlen Steinen.“

Es liegen so viele Jahre dazwischen - aber sind diese Zeiten geistig wirklich so weit weg vom Velbert in der Zeit des zweiten Deutschen Kaiserreiches - als der Wohlstand in manchen bürgerlichen Familien stieg - als das Gefühl der Bedeutung Deutschlands in dieser Welt einen gewissen Höhepunkt erreicht hatte - als der Glaube an den Fortschritt und an die Segnungen der Industrialisierung stark war?

Das Bisherige (die Alte Kirche) erscheint nicht mehr ausreichend - sie entspricht doch eher dem „Velbert der Fachwerkhäuser“ - und das Neue, das entstehen soll, soll eben auch vom Einfluss und Wohlstand vor allem der erfolgreichen bürgerlichen Familien zeugen.

Ein neues, prächtiges Haus bauen! Salomo überzog den Innenraum des Tempels mit Gold und Edelsteinen. Die Gaben aus der Gemeinde zeugen deutlich von dem Willen, auch dieses neue Haus Gottes in Velbert prächtig auszugestalten.

So entsteht die Christuskirche – mächtig – prächtig - gleichzeitig auch Zeugnis des Vertrauens,  dass Gott in allen diesen Entwicklungen gegenwärtig ist - gerade eben auch hier bei seinen Menschen in Velbert.

An dieser Stelle ist es nun gut, im zweiten Buch der Chronik weiter zu lesen: (Aus dem 2. Buch der Chronik):  „Als nun - bei der Weihefeier für den Tempel in Jerusalem die Musiker spielten und die Menschen sangen,da war es,  als hörte man sie alle mit einer Stimme dem Herrn danken und den Herrn loben.“

Das macht ein Bauwerk im eigentlichen Sinne zu einem Gottes-Haus: dass die Menschen, die hier ihrem Gott ein mächtiges und prächtiges Haus bauen, an diesem Ort inne werden, aus wessen Händen alles kommt, was ihren Wohlstand begründet - was dann auch menschliche Macht und Pracht wachsen lässt.

Mit einer Stimme dem Herren danken - mit einer Stimme den Herren loben! Den Ursprung aller Dinge nicht vergessen! Die Gebundenheit aller Dinge an seine Macht und Pracht nicht vergessen - aber dabei auch bedenken, dass seine Macht und Pracht im Zeichen des Kreuzes begründet ist!

Ob die Velberter damals wie heute diesen „Ruf der Christuskirche“ in Kopf und Herz haben?

Im 2. Buch der Chronik findet sich nun aber auch eine geistliche Verheißung:

(Aus dem 2. Buch der Chronik): „Als sich die Stimme der Trompeten und der Zymbeln und das Saitenspiel erhob  und man den Herrn lobte mit den Worten: „Er ist gütig - und seine Barmherzigkeit währet ewig!“ - da wurde das Haus des Herrn erfüllt mit der Herrlichkeit des Herrn!“

Dieses Wort – das glaube ich – gilt! Wo Menschen Gott loben - ihn loben - über der Pracht oder auch über er Armseligkeit ihres Lebens - da erfüllt ER die Lebensräume dieser Menschen mit seiner Herrlichkeit.

Er füllt auch die Kirchenräume, wenn seine Menschen und seine Gemeinde ihn in dieser Weise über den Dingen ihres Lebens loben.

Steine allein geben ein historisches Zeugnis ab - für ein lebendiges Zeugnis von der Gegenwart des lebendigen Gottes in unserer Welt bedarf es nicht allein der Steine!

Dass Gott allein durch den Bau eines Gottes-Hauses nicht für Menschen verfügbar wird,  das wusste der König Salomo nur zu gut!

Er betete (Aus dem 2. Buch der Chronik): „Der Herr hat gesagt,  er wolle im Dunkeln wohnen. So habe ich Dir nun ein Haus gebaut, Dir zur Wohnung - und einen Sitz, an dem Du ewiglich gegenwärtig sein sollst.

Aber sollte Gott denn wirklich bei den Menschen auf Erden wohnen? Siehe - der Himmel und aller Himmel Himmel können Dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

So höre nun das Flehen Deines Knechtes und Deines Volkes Israel, wenn sie bitten werden an dieser Stätte: höre es von der Stätte Deiner Wohnung - vom Himmel her. Und wenn Du es hörst – dann sei uns gnädig!“

Eben:  „Steine alleine“ können seine Wirklichkeit und seine Gegenwart nicht fassen. Aber wo Menschen sich bewusst in seine Gegenwart stellen,  da wird er – das verspricht er - diese Menschen nicht unerhört und alleine lassen.

So ist die Christuskirche auch eine Mahnung an alle Menschen, die sich zu IHM halten: gerade heute kommt es in unserem Land vielleicht besonders darauf an, dass Menschen mehr von seiner lebendigen Gegenwart zeugen - und dass dieses Zeugnis nicht allein den Steinen überlassen wird.

Es gibt - wenn man die Dinge unter dieser geistlichen Perspektive sehen kann und will - in dieser Welt zunehmend Tempel, die alleine von der Macht von Menschen und menschlichen Institutionen zeugen. Und die Pracht und die Macht, die in diesen Tempeln ihr Symbol finden,  haben manchmal wirklich etwas Betäubendes und Erdrückendes.

An dieser Stelle kann die Christuskirche als Mahnung stehen –  auch bewusst in geistlicher Konkurrenz zu den Tempeln der Welt: „Lasst Euch nicht hinleiten zu einem Leben, das den Ursprung allen Lebens vergisst - das auch von der letzten Gebundenheit allen Tuns und Lassens nichts wissen will.

Vergesst nicht, dass es gut ist für unsere menschlichen Herzen und Seelen, wenn wir mit dem Volk der Israeliten sprechen:

Er ist gütig - und seine Barmherzigkeit währet ewig!“ denn dann wird auch das Haus Eures Lebens  erfüllt mit der Herrlichkeit des Herrn!

Amen!

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