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Predigt

24.06.2018

Fußball ...

Markus 6, 7-13

Fußball ist doch nur ein Spiel. Könnte man denken. Und so denken viele auch. Andererseits wird in diesen Tagen dieses Spiel doch sehr ernst genommen, Tagesabläufe, Veranstaltungskalender, Partys richten sich nach dem Fußball. 90 Minuten heilige Zeit. Ein Moment auf den echte Fans hinleben und sich herausputzen. Mit Fahne und Schal. Und Menschen aus allen Schichten bilden dabei eine Gemeinschaft, trauern oder jubeln miteinander. Vielleicht ist der Fußball ja doch mehr als ein Spiel? Erzählt Fußball nicht doch in vielerlei Hinsicht vom Leben? Von Glück, Unglück, Hoffnung, Resignation, von Siegen und Niederlagen. Und von unseren Emotionen… Vieles aus der Welt der Fußballs finden wir direkt in unserem Leben wieder. Denn auch in Wirklichkeit stehen wir nicht gern im Abseits, möchten nicht die rote Karte gezeigt bekommen oder vom Platz verwiesen werden. Wir möchten mitspielen. Aber wie spiele ich eigentlich das Spiel meines Lebens?
Denke ich darüber nach, dass Gott mein großer Trainer ist, der mich auf das Spielfeld Erde gestellt hat?
Wir haben ja gerade schon ganz viele Begriffe aus der Welt des Fußballs gefunden, die genauso gut auf unser Leben zutreffen. Besonders auch auf unser Leben als Christen. Da gehören wir schließlich auch zu einer Mannschaft von ca. 2,3 Milliarden Christen auf dieser Erde.
Und unser Trainer, der die Taktik des Spiels bestimmt, heißt Jesus Christus.
Aber wie macht er das?
Wie trainiert er seine Mannschaft?

Pfarrerin Maret Schmerkotte Ein Rabbi, der auch einen guten Fußballtrainer abgegeben hätte, hat einmal gesagt: „Ich weiß genau, dass meine Schüler immer machen, was ich von ihnen verlange.“ Warum er sich da so sicher sein könne, wurde er gefragt: „Weil ich ihnen immer nur das aufgebe, wozu sie sich imstande fühlen, und manchmal ein bisschen mehr, damit sie über sich hinauswachsen.“
Das zeichnet einen guten Trainer aus, dass er also den Spieler dort abholt, wo er ist, bei dem, was er kann und dann darauf aufbaut.
Jesus macht das im Grunde mit seinen Jüngern ganz genau so. Er sieht z.B. Männer bei ihrer Arbeit, die sie können, traut ihnen aber mehr zu. Ihr seid Fischer, sagt er, aber ihr sollt Menschen fischen. Und für diese Aufgabe fängt er an, sie zu trainieren. Er nimmt sich viel Zeit für seine Jünger und investiert in sie. Sie erleben wie Jesus redet, wie er lebt und handelt, wie er mit Menschen umgeht und sie heilt. Und dann sendet er sie aus und lässt sie eigene Erfahrungen machen.

Und dazu steht zB folgende Geschichte in der Bibel: Markus 6, 7-13

Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und erteilte ihnen den Auftrag, jeweils zu zweit durch das Land zu ziehen. Er gab ihnen die Vollmacht, böse Geister auszutreiben.
Dann befahl er ihnen: »Nehmt nichts mit auf die Reise außer einem Wanderstock! Ihr sollt kein Essen, keine Tasche und kein Geld bei euch haben.
Nur Schuhe dürft ihr tragen, aber kein zweites Hemd mitnehmen.
Weiter sagte er: »Wenn ihr in ein Haus kommt, dann bleibt dort zu Gast, bis ihr weiterzieht.
Seid ihr aber irgendwo nicht willkommen und will man eure Botschaft nicht hören, so geht fort und schüttelt den Staub von euren Füßen als Zeichen dafür, dass ihr die Stadt dem Urteil Gottes überlasst.«
Dann zogen die Jünger los und forderten die Menschen auf: »Kehrt um zu Gott!«
Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren, salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

12 Mitspieler hatte Jesus also inzwischen gewonnen, damit war seine Mannschaft erst einmal komplett. Angela Merkel hat übrigens mal gesagt: „Die Fans sind der zwölfte Mann auf dem Platz.“ Damit will sie uns wohl sagen: Auch wir sind wichtig. Und vielleicht hilft uns ja dieser Gedanke, dass auch wir uns wirklich zugehörig fühlen dürfen, wir sind dabei! Auch in der Mannschaft Jesu. D.h. auch wenn die Anweisungen Jesu, die wir gerade gehört haben, zunächst an seine Jünger gerichtet sind, dürfen wir uns angesprochen und mit einbezogen fühlen.

Die Jünger sollen zu zweit durchs Land ziehen! Und das beutet zuerst einmal: Jesus geht nicht mit! So wie der Trainer am Spielrand steht oder sitzt, kann auch er sich zurückziehen undabgeben. Er muss nicht selbst die Tore schießen. Auf die Mannschaft kommt es an. Ich brauche euch, sagt er, ohne euch kann ich in dieser Welt nichts umsetzen, ohne euch kann ich das Spiel des Leben nicht gewinnen. Darum ist es wichtig, dass ihr euch meinem Training stellt.
Aber nicht als Einzelne. Alleine seid ihr schwach. Geht zu zweit! D.h. Christen müssen und sollen keine Einzelkämpfer sein. Keine Solisten. Geschwisterlichkeit und Weggemeinschaft sind angesagt. Einander unterstützen. Im Gespräch bleiben. Sich gegenseitig austauschen und bereichern. Sich in den Arm nehmen und dadurch nicht nur mit Worten predigen, sondern durch das Leben selbst. Gott ist da! Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Gemeinschaft stärkt und gibt Kraft. Und wo ich selbst nicht beten kann, betet der andere für mich.
Und das heißt natürlich auch: keine Alleingänge. Was Gott für unswill, wird oft erst in gemeinschaftlichen Entscheidungen spürbar. Davon bin ich überzeugt. Und deshalb macht es für mich auch Sinn, dass manchmal bei Treffen und Sitzungen so lange diskutiert wird. Es geht um keine Einzelmeinung, die durchgesetzt werden soll, sondern um eine Gemeinschaft, in der etwas von Jesus sichtbar werden soll. Dass er mitspielt in unserem Spiel des Lebens, nicht direkt, aber so wie eben ein Trainer im Geiste bei seiner Mannschaft auf dem Rasen ist.

Die Jünger sollen nichts mitnehmen! Keine Tasche, kein Essen, kein Geld. Kein zweites Hemd. Nur einen Wanderstock und Schuhe.
Was bedeutet das? Das Weitertragen der Liebe verträgt sich offenbar nicht mit einem Vorrats- und Absicherungsdenken. Es ist auch Risiko, aber vor allem Vertrauen. Dass Gott da ist und für mich sorgt. Das muss vorgelebt werden. Nichts mitnehmen, das heißt für mich aber auch: Du kannst so wie du bist unterwegs sein! Sei einfach du selbst! Sag, was du denkst und glaubst, sprich von deinen Erfahrungen. Du brauchst kein Vorwissen, kein Doktortitel, keinen bestimmten Beruf. Kein zweites Hemd bzw. neues Outfit.
Aber losgehen musst du! Deshalb der Wanderstock und die Schuhe. Also mitspielen. Beweglich sein, nicht stehenbleiben, anderen den Ball zuspielen. Im richtigen Moment, im richtigen Tempo. Alles andere macht Gott.
Für mich heißt das, dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe, um die Momente und Chancen entdecke, in denen ich mit meiner ganzen Person gefragt bin.Und dass ich mich dann nicht verstecken muss,

Die Jünger sollen auch bleiben. Also nicht nur mit leichtem Gepäck losziehen, sondern auch mit ihrer Unterkunft zufrieden sein. Es macht also keinen Sinn, zu vergleichen und nach anderen möglicherweise besseren Quartieren Ausschau zu halten. Die Gemeinde, die Mannschaft, die mich aufgenommen hat, da soll ich erst einmal bleiben. Das bedeutet manchmal auch Geduld zu haben, aus allem das Beste zu machen, schwierige Situationen und Menschen aushalten, die Liebesfähigkeit vor Ort trainieren. Das mag etwas merkwürdig klingen, aber ja, ich glaube, dass man Liebe auch trainieren kann. Damit meine ich jetzt nicht die Schmetterlingsgefühle, sondern die konkrete und praktische Nächstenliebe. Und dafür gibt es ganz einfache Trainigsmethoden: Z.B. Zuhören. Es ist nämlich gar nicht immer so, dass, wenn Menschen, mit ihren Problemen zu mir kommen, ich immer etwas dazu sagen muss. Ganz im Gegenteil. Einfach nur zuhören und ermutigen: Erzähl mir mehr davon. Das tröstet mein Gegenüber manchmal mehr als meine Kommentare. Denn Zuhören bedeutet für den anderen viel mehr als nur, dass er sich aussprechen kann und ihm die eigenen Gedanken klarer werden. Zuhören bedeutet Wertschätzung: du bist mir wichtig, dass ich dir jetzt gern so viel Zeit schenke.
Eine weitere Trainigsmethode ist das Finden von liebevollen Worten, Ermutigung, Trost, mehr Lob als Kritik. Mit dem Loben oder positivem feedback tun wir uns ja auch manchmal schwer, keine Kritik ist Lob genug. Natürlich: manchmal müssen auch kritische Worte fallen, weil die Wahrheit gesagt werden muss. Denn nur aus Fehlern lernt man. Das ist im Fußball genauso wie im richtigen Leben. Aber auch die Kritik muss in Liebe geschehen: nach vorne gerichtet, was kann besser werden, und nicht, um dem anderen etwas reinzuwürgen oder ein schlechtes Gefühl zu machen.
Aber versucht das mal als Trainingsprogramm: Ganz bewusst jemandem gerade auch das Positive zu sagen und ihn zu loben! Ihr werdet sehen, wieviel ihr zurück bekommt.

Pfarrerin Maret Schmerkotte Die Jünger sollen aber auch weiterziehen. Das ist eine Stelle, die mir besonders gut gefällt, weil Jesus da so realistisch ist. Er weiß, dass seine Jünger nicht überall mit offenen Armen empfangen werden. Sie stoßen auch auf Ablehnung und Unverständnis. Und da, wo solches geschieht, sollen sie sich nicht aufreiben und keine Zeit vertun. Keine Drohrede, es nicht mit Gewalt versuchen, sich nicht die Zähne ausbeißen, sondern den Staub abschütteln und einfach weiterziehen, ohne Missmut.
Das heißt also zum einen: Niemandem darf die frohe Botschaft aufgedrängt werden, niemand soll zum Mitspielen gezwungen werden, und zum Anderen, dass wir unsere Kräfte nicht an Stellen investieren, wo es keinen Sinn macht. D.h. auch loslassen und abgeben können, nicht krampfhaft am Ball bleiben, wo klar ist, dass ich an dieser Stelle nicht weiterkomme. In der Gemeinde sind wir oft versucht uns Menschen zuzuwenden, die überhaupt nicht mitspielen wollen, wir überlegen uns dann alle möglichen Taktiken und Überredungskünste, um unser Gemeindeleben interessanter zu machen; ich nehme mich davon auch nicht aus, aber das, was Jesus hier sagt, ermutigt mich, Menschen, die nicht wollen, dort zu lassen, wo sie sind, und stattdessen nach denen zu schauen, die wirklich offen sind und denen ich deshalb getrost auch einen Ball zuspielen kann.

„Kehrt um zu Gott“ soll die Botschaft sein. Dass bedeutet weniger, den Menschen zu sagen, was sie alles falsch machen als vielmehr die Ermutigung, das Leben immer wider neu auf Gott auszurichten. Eine Haltung der Dankbarkeit einüben. Denn wer dankbar ist, der muss sich auch überlegen, wem gegenüber er dankbar ist und dann weiß er, dass Gott in seinem Leben mit drin ist. Dankbarkeit kann man auch trainieren. Indem man z.B. ganz bewusst jeden Tag innehält, morgens oder abends, im Gebet, im Gespräch oder einer Zeit der Stille: Was hat Gott mir heute alles geschenkt? Was habe ich, was kann ich noch? Was bereichert mein Leben?

Und ein letztes: Die Jünger sollen nicht nur reden, sondern auch praktisch tätig werden: böse Geister vertreiben, Kranke mit Öl salben und heilen. Das ist biblische Sprache, aber im übertragenem Sinne vielleicht doch gar nicht so weit weg von unseren Möglichkeiten. Für Menschen da sein, ihnen Gutes tun. Das müssen keine Wunder im klassischen Sinne sein, aber es ist auch wunderbar, wenn wir durch praktische Hilfe und Zuwendung Geister der Traurigkeit, Angst oder Einsamkeit vertreiben. Oder Kranke besuchen. Das Öl ist ja auch ein Bild: Es duftet nach dem Paradies. Und mit Öl wurden Könige gesalbt. In gewisser Weise können wir dann auch mit Worten und Gesten salben: Du bist gut so wie du bist, wertvoll, ein Königskind!

Das ganze nochmal zusammengefasst: Zu einer Mannschaft gehören, Vertrauen, dass Gott mir alles gibt, was ich brauche, Bleiben, Geduld haben und lieben, Weitergehen und sich auf Wichtiges konzentrieren, sich immer wieder neu auf Gott ausrichten, anderen Gutes tun.

Das hört sich nach einem umfassendem Trainingsprogramm an. Stimmt. Und es geht dabei auch nicht nur ums Probieren, sondern um das Trainieren; wichtig ist es - wie beim Sport – dranzubleiben. Wenn die Fußballer es nur probieren würden mit dem Fußball, würden sie wohl nicht weit kommen, hinter dem, was die da auf dem Rasen leisten, steckt hartes Training. Und beim Christsein, beim Glauben ist es doch ein bisschen ähnlich: was wir durch probieren schaffen können, wird schnell überschätzt und was wir durch Trainieren schaffen können, eher unterschätzt. Natürlich: es geht im christlichen Glauben nicht um Leistung und der Sieg, ein Kind Gottes zu sein, ist uns ohnehin gewiss. Da müssen wir uns nichts verdienen. (Also da ist eine WM- in jedem Fall spannender, weil das Ergebnis nicht schon feststeht.) Und doch, auch wenn wir bei Gott zu den Gewinnern gehören, spielen müssen wir trotzdem; auch wenn Gott, der Trainer hinter uns und im Geiste mit dabei ist, auf dem Spielfeld des Lebens spielen wir.

Jürgen Klopp, im Moment Trainer beim FC-Liverpool hat das so formuliert: …

„Für mich ist der Glaube an Gott wie ein Fixstern, der immer da ist. Ein treuer Begleiter, der mir oft genau dann Kraft schenkt, wenn ich gar nicht mehr damit rechne. Aber auch ein starker Rückhalt, der mir die Lockerheit gibt, mit einem Lächeln und dem nötigen Vertrauen durchs Leben zu gehen, dass der da oben schon alles richtig macht. Auch dann, wenn manche Reporter nach Niederlagen wieder mit der nervigsten aller Fragen ankommen: ist der Fußball-Gott denn gegen den BVB?
Um diese Frage ein für alle Mal zu beantworten: Es gibt zwar keinen Fußball-Gott, aber ich glaube, dass es einen Gott gibt, der uns Menschen liebt, genauso wie wir sind, mit all unseren Macken. Und deswegen glaube ich, dass er auch den Fußball liebt! Nur: Die Kiste müssen wir schon selber treffen.“

Amen

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