Dialog für Demokratie: Kirsten Fehrs zu Gast im Gemeindehaus
Das Gemeindehaus an der Christuskirche war gut gefüllt, als Superintendent Wolfhardt Günther begrüßte die Gäste begrüßte. Auch der Velberter Bürgermeister Dirk Lukrafka sprach ein Grußwort, der die Bedeutung solcher Veranstaltungen für das gesellschaftliche Miteinander hervorhob.
Die Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Kerstin Griese hatte zur Veranstaltung „Kirche und Politik. Verantwortung in der Demokratie“ im Rahmen ihres Formats „Kerstin Griese trifft“ Kirsten Fehrs eingeladen, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck und seit 2024 EKD‑Ratsvorsitzende – damit die höchste Repräsentantin der Protestantinnen und Protestanten in Deutschland.
Zentrale Themen: Verantwortung, Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Im Mittelpunkt des Abends standen Fragen, die Kirche und Politik gleichermaßen bewegen:
- die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen
- der Einsatz für Vielfalt sowie gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt
- die Bewahrung der Schöpfung
Beide Gesprächspartnerinnen betonten, wie wichtig Räume für Begegnung und Austausch sind – gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung.
Umgang mit Hass und Hetze
Ein eindrückliches Beispiel brachte Kerstin Griese selbst ein: Nach einem Gruß zum muslimischen Opferfest auf Facebook erhielt sie tausende Hasskommentare. Für sie zeigt das, wie notwendig klare Haltung, Respekt und Dialogbereitschaft sind.
Auch Kirsten Fehrs berichtete von ihren Erfahrungen im Umgang mit gesellschaftlichen Spannungen. Sie stellte ein Gesprächsformat vor, das sich bewährt hat: Jede Person erhält zunächst vier Minuten Redezeit, ohne unterbrochen zu werden. Erst danach beginnt die Diskussion. Dieses Prinzip schaffe Verständnis und verhindere Eskalation.
Kirchliche Räume unter Druck
Fehrs hob hervor, wie wichtig Orte wie das Velberter Gemeindehaus für eine demokratische Kultur sind. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass es für die Kirchen zunehmend schwierig werde, Treffräume zu erhalten und Gebäude klimafreundlich umzubauen, da die finanziellen Spielräume enger werden.
Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch
Ein weiteres zentrales Anliegen der EKD‑Ratsvorsitzenden ist die konsequente Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch. Die Kirchen müssten sich kümmern – aber auch andere gesellschaftliche Bereiche wie Sport und Familie. Wegsehen sei keine Option mehr.
Ehrlichkeit in der Politik
Mit Blick auf politische Verantwortung betonte Fehrs, wie wichtig es sei, realistische Ziele zu setzen und nicht Dinge zu versprechen, die von vornherein nicht einhaltbar sind. Auch öffentliches Gerede über Themen, von denen Politiker und Medien wüssten, dass sie nicht stimmen, sorgen für Ärger und erschweren die Umsetzung einer guten Regierungsarbeit, wie Kerstin Griese aus ihrer Arbeit in der Regierung berichtete. Unhaltbare Ziele förderten nicht nur Frustration und schadeten nicht nur der Politik, sondern auch dem Ehrenamt.
Am Ende blieb der Eindruck eines Abends, an dem nicht nur zugehört, sondern leidenschaftlich mitgedacht und mitgeredet wurde – ein starkes Zeichen für gelebte Demokratie.