Mehr Mensch wagen

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„Mehr Mensch wagen“ – das klingt nach Mut! Nicht nach dem großen, lauten Mut, sondern nach dem, der sich im Alltag zeigt: in Blicken, Worten, Entscheidungen. Es ist der Mut, menschlich zu bleiben in einer Gesellschaft, in der uns manchmal Übermenschliches abverlangt wird und in der das Menschliche allzu oft auf der Strecke bleibt.

Denn was heißt das eigentlich: „menschlich“ sein? Wir leben in einer Zeit, in der vieles schnell gehen muss und perfekt sein soll. Und es gibt tatsächlich eine Technik, die uns erstaunlich viel abnehmen kann und darin nahezu perfekt ist: die KI (künstliche Intelligenz). Sie kann Sprache formulieren, Zusammenhänge ordnen, Vorschläge machen, aber – und das ist eben das Menschliche – sie fühlt nicht. Sie kann sich nicht freuen und nicht weinen.

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“, schreibt Paulus im Römerbrief (Röm 12,15). Und damit spricht er uns auf unsere Menschlichkeit an. Auf unsere mitmenschlichen Beziehungen. Ich lasse den anderen nicht allein mit dem, was ihn trifft, sondern ich fühle mit ihm. Weil eben auch der andere ein Mensch ist. Mit Herz. Mit einer persönlichen Geschichte. Mit Stärken, Schwächen und Grenzen. Und mit Würde!

Jeder Mensch zählt! Nicht, weil er nützlich ist, weil er etwas leisten kann, sondern weil er eben Mensch ist. Von Gott geschaffen und geliebt.

„Mehr Mensch wagen“ ist also auch eine Lebenshaltung für eine Gemeinschaft. Freude teilen heißt: miteinander den guten Moment feiern, ohne neidisch zu werden, Dankbarkeit sichtbar machen und Hoffnung weitergeben. Und mit jemandem „weinen“ heißt: hinsehen, ernst nehmen, aushalten, da sein, damit niemand allein bleibt.

Wagen wir es also und werden mutig? „Mehr Mensch wagen“ kann auch eine ganz praktische Entscheidung sein: Wo kann ich Anteil nehmen? Wen kann ich stärken? Wem kann ich zuhören? Wie kann ich mich in eine Gemeinschaft einbringen? Ist vielleicht auch diese Gemeinde ein Gemeinschaftsort für mich? Vielleicht finden Sie sogar einige Ideen in unserem Gemeindebrief. Seien Sie mutig und sprechen Sie uns an!

Ihre Pfarrerin Maret Schmerkotte