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Der Garten – Sehnsuchtsort und Bild für die Gemeinde

Ein Garten tut gut, oder ein Balkon. In Corona-Zeiten sind gerade diese zu Sehnsuchtsorten geworden. Und in den Sommermonaten Juli und August kann sich jeder bildhaft ausmalen, wie Gott einst den Plan für seine gute Schöpfung, das Paradies, den Garten Eden, entwarf und vollendete.
Im Garten oder auf dem Balkon lässt es sich leben. Da kann ich mit den Nachbarn Kaffee trinken, mit den Kindern toben, Gemüse anpflanzen oder in einer Hollywood-Schaukel entspannen.
Ein Garten muss gepflegt werden. Das kann Spaß machen; gleichzeitig ist es auch Verpflichtung und mit Arbeit verbunden. Immer wieder muss man Büsche und Hecken schneiden, Unkraut zupfen und Beete umgraben, damit etwas wächst. Säen, gießen, düngen, Stauden hochbinden und alte Bäume abstützen.

Eine Kirchengemeinde ist wie ein Garten. Man kann viel Zeit darin verbringen.
Beim Gottesdienst, in Leitungs- und Planungsgremien, beim Kaffee im Seniorenkreis, beim Fußballspielen mit den Konfis. Allein in der Kirche bei einem stillen Gebet. Die Gemeinde lädt dazu ein. Sie ist alles andere, als eine exklusive Gesellschaft. Sie ist wie ein Garten, in den jeder kommen kann. Um auszuruhen. Um Freud und Leid miteinander zu teilen. Um Gott zu loben für all das Schöne, das er gemacht hat. Um ihm zu klagen, was kaputt gegangen ist durch einen Sturm in meinem Leben. Um ihm zu bringen, was nicht wachsen will.
Eine Kirchengemeinde bedeutet auch viel Arbeit. Wie ein Garten müssen ihre Gebäude gehegt und gepflegt werden. Immer wieder sind Baumaßnahmen nötig. Es gilt, Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen, Denkmalschutzauflagen zu beachten. Ein größerer Raum für die Kita oder den Chor? Mal überlegen, wie das zu machen ist. Orgel- und Kirchensanierung?
Ein Mammutprojekt, das allein gar nicht zu stemmen sein wird.
Und auch die Menschen in einer Kirchengemeinde wollen gehegt und gepflegt werden. Die neue Küsterin, die gespannt ist auf ihre vielfältige Tätigkeit. Die Jubilare, die zu ihren Ehrentagen besucht werden. Mitarbeitende und Gemeindeglieder freuen sich über ein aufbauendes Wort oder ein offenes Ohr.
Mitarbeitende tun viel, damit eine Gemeinde wächst und blüht. Sie kochen Kaffee fürs Beisammensein nach dem Gottesdienst. Sie kümmern sich um Anschaffungen und Finanzen. Sie pflegen die Internetseite der Gemeinde. Sie gestalten den Gemeindebrief. Sie sind für die da, die kommen; hören zu, schieben Rollstühle, sprechen ein Gebet. Ihr Tun fällt auf fruchtbaren Boden.
   Aber es gibt auch andere Zeiten. Da herrscht Dürre. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, sogar Streit. Einer fühlt sich nicht gesehen, eine andere nicht verstanden, ein Dritter vermisst die Verbundenheit im Handeln.
Was sollen wir entscheiden? Wie miteinander arbeiten? Wer „glaubt“ und macht es denn nun „richtig“?

Das haben sich auch schon die Christinnen und Christen in den ersten Gemeinden gefragt. Einige von ihnen waren ursprünglich Juden. Andere glaubten vor ihrer Taufe an griechische oder römische Götter, sogenannte Heidenchristen. Sie wollten wissen, welche ihrer Lebens- und Glaubensgeschichten denn nun mehr Gewicht und Bestand hat. Der Apostel Paulus schreibt ihnen dazu: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“ (Römer 11, 18b).
Paulus gebraucht dieses Bild für die Bestimmung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden. Beide leben an einem Ölbaum. Ihre gemeinsame gute Wurzel ist Gottes erbarmendes Handeln an Israel. Zuerst waren die Juden da. Dann hat Gott in seiner Freiheit andere, „Heiden“ in seinen Ölbaum eingepfropft. Aber es gibt keinen Grund für die später eingesetzten Zweige, sich über den älteren Teil des Baumes zu erheben. Das zu tun hieße, die Wurzel vergessen, die nährt, Halt gibt und trägt.
Als Christinnen und Christen sind wir in aller Unterschiedlichkeit verbunden durch den Glauben an Gott. Er ist die Wurzel allen Seins und die Basis, die alles trägt. Darauf kommt es an. – Bildlich gesprochen: Der himmlische Gärtner hat uns zusammengefügt. Wir können darauf vertrauen, dass er es gut mit uns meint. Auch wenn wir uns streiten, wenn wir uns ärgern oder nicht weiter- wissen. In Gottes Namen arbeiten und sind wir zusammen. Er segne unser Tun.

Christopher Preis

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