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Predigt
12. März 2017 (Reminiszere) · Familiengottesdienst mit Vorstellung der „Konfettis“

Predigt: Bitte bete!

Pfarrer Uwe Flaig

Manchmal sagt mir jemand: „Hey, Beten, das ist doch langweilig.“ Dann sag ich es manchmal: „Hast du es eigentlich schon mal so richtig probiert? “
Klaus Douglass hat ein Buch geschrieben, das heißt: „Beten – ein Selbstversuch“.
Und da hat er sieben Jahre lang die verrücktesten Arten zu Beten ausprobiert und aufgeschrieben, was er dabei erlebt hat. Über 100 verschiedene Arten zu beten hat er ausprobiert: Uralte Formen zu beten hat er neu ausprobiert (Kerzen anzünden), aber auch moderne Möglichkeiten, übers Internet zu beten.
Ergebnis: Es gibt keine Grenzen. Es gibt so viele Arten, wie du beten kannst. Mach es, wie du möchtest, aber bete

Jesus erzählt, dass Gott uns das Recht gibt zu beten. Das finde ich cool.

Beten ist also nicht nur: Da hat jemand ein Problem. Und jetzt weiß er nicht, was er machen soll. Und dann betet er halt. Und ob da einer ist, der ihn hört… keine Ahnung...
Sondern: Gott lädt uns ein zu beten. Gott sagt: „Ich hab die Leitung freigeschaltet. Und du kannst jetzt mit mir reden. Ich bin da. Ich höre dir zu. Also los! Fang an!“

Beten – das ist ein supertolles Angebot, was Gott uns macht: Er stellt uns nicht nur einfach in diese Welt, sondern er liefert uns auch noch gleich eine Hotline. Einen heißen Draht nach oben.

Weißt du, was Jesus noch übers Beten gesagt hat: „Wenn du betest, dann musst du nicht Gott mühsam zutexten. (Ihr müsst nicht plappern wie Menschen, die Gott nicht kennen.) Gott weiß doch schon längst, was du brauchst.“
Hey, das ist gut: Ich muss Gott nicht erst informieren. Gott weiß schon längst Bescheid. Ich muss auch keine Angst haben, dass ich ein wichtiges Detail meines Problems vergesse und dann geht das Gebet schief, weil Gott nicht richtig informiert ist.

Gott weiß Bescheid.

Dann könnte man fragen: Ja, aber warum soll ich dann überhaupt beten, wenn Gott doch schon Bescheid weiß?    Na, ’ne Idee??? Weil es gut ist, mein Herz auszuschütten! Das ist doch in jeder richtigen Freundschaft so: Dass man mit einander reden kann. Und sich versteht. Und sich hilft. Klar.

Also: Gott weiß schon längst Bescheid.
Gerade deswegen kannst du ihm dein Herz ausschütten und ihm erzählen, was dich beschäftigt. Er versteht dich. Wetten?!

Gott weiß Bescheid. Und: – Du musst ihn nicht erst groß bequatschen, damit er dir hilft. Gott ist ja eh schon längst auf deiner Seite.
Manche Menschen denken, bei Beten kommt es darauf an, Gott zu etwas zu bewegen, wozu er eigentlich gerade keine Lust hat. Und dann machst du das wie bei deinen Eltern und bleibst dran und nervst, bis du doch bekommst, was du möchtest.

Ich verstehe Beten so, dass Gott dir die Möglichkeit gibt, etwas zu bewegen, indem du betest: Für Menschen, die in einer schwierigen Situation sind. Für dich selbst. Für deine Schulklasse. Für deine Familie.
Gott sagt: Lass uns zusammen was tun: Du betest und ich helfe euch.

Beten ist mehr als nur dein Herz ausschütten. Das auch. Aber, wenn du betest, kannst du damit auch etwas bewegen in unserer Welt. Wenn du mit Gott über Dinge redest, dann verändert das etwas in dir, in deinen Gedanken. In deinem Herzen. Aber es verändert auch etwas außerhalb von dir. Ich glaube, dass Gott uns auch dafür diese Gebetshotline eingerichtet hat.
Also: Probier‘s aus. Das Beten. Trau dich! Rede mit Gott über all das, was dich beschäftigt.

Jemand hat mal gesagt: Beten ist wie ein Haus mit vielen Räumen. Jeder Raum steht für eine Art zu beten. Und in einigen kennst du dich vielleicht schon ein bisschen aus. Und andere Räume, da bist du vielleicht noch nicht drin gewesen oder hast nur mal vorsichtig kurz reingeschaut. Lass uns mal durch einige dieser Räume gehen.
Das, was glaub ich die meisten Menschen kennen, das ist Gott um etwas bitten.
„Gott, ich habe die Susi so lieb. Hilf doch, dass die meine Freundin wird! …“
„Gott, morgen muss ich Mathe schreiben. Und ich hab noch so wenig Ahnung davon. Hilf, dass das irgendwie gut geht und ich mindestens ’ne drei schreibe!“ Kennt ihr?
Und wie ist das, wenn du jetzt gebetet hast und hast ’ne zwei plus geschrieben? Ausgerechnet in Mathe…? Hey, ich bin doch der Beste. Ich kann sogar Mathe…?
Und wie ist das, wenn die Susi tatsächlich deine Freundin und später deine Frau geworden ist und ihr habt ’ne richtig gute Beziehung? Hast du schon mal Gott Danke gesagt … ?
Wenn du in ’ner richtig schönen Familie leben kannst, hast du Gott schon mal dafür Danke gesagt?
Vielleicht bekommst du Lust, den Raum des Dankens mal zu entdecken?!

Dann gibt es einen Raum, der heißt „für andere bitten“. Also nicht für mich selbst, sondern für andere Menschen, die Hilfe brauchen. Ich glaube, da sind wir schon ab und zu mal drin, in diesem Raum. Oder?

Dann gibt’s einen Raum, da steht an der Tür „Klagen“. Die Israelis haben diesen Raum in Jerusalem riesengroß und open-air:
Die Klagemauer!
Wenn ich über etwas unglücklich bin, wenn ich Unrecht nicht akzeptieren mag, oder wenn ich Gott nicht mehr verstehe, nicht verstehe, warum das und das jetzt passiert ist, obwohl Gott mich doch lieb hat, dann gibt es dafür einen Raum: Den Raum zum Klagen.

Eine Frau hat mir mal erzählt: Wenn sie der Frust packt, dann geht sie hier hinter der Losenburg alleine über die Felder und schreit. Da, wo sie außer Gott keiner hört. All ihren Frust, ihre Traurigkeit und Verzweiflung schreit sie – in Gottes Ohr hinein.

Kannst du dir vorstellen, dass Gott sich auch sowas anhört? Glaubst du, dass ihn das interessiert, wenn wir unglücklich sind?? Ich glaub, dass ihn das brennend interessiert. Wenn ich einen Menschen mag, dann möchte ich auch wissen, wenn es ihm mal nicht gut geht. Und wenn er ein Problem mit mir hat, dann soll er mir das sagen. Vielleicht gibt’s ja ’ne Lösung.
Ich frag mich, ob dieser Raum der Klage zu Gott vielleicht der am meisten unterschätzteste Raum im Gebetshaus ist.

Es gibt mindestens noch zwei Räume im Haus des Betens:

An der einen Tür steht: Um Verzeihung bitten.
Was machst du, wenn du merkst, dass du was so richtig falsch gemacht hast? Wem kannst du das erzählen? Deinen Eltern? Hoffentlich.
Mir tut es gut, dass ich das Gott erzählen kann. Also nicht, dass das am Anfang immer leicht ist. Da muss ich mich auch manchmal überwinden, bevor ich bete: „Gott, ich glaube, gestern bei Konfetti, da habe ich echt Bockmist gebaut.“
„Gott, was ich vorgestern da am Telefon gesagt habe, das war wirklich nicht gut. Das hat den anderen ziemlich verletzt. Und ich weiß noch nicht, wie ich das wieder in Ordnung bringen kann. Bitte verzeih du mir.
Und hilf, dass der andere mir auch verzeihen kann.“
Fehler machen, das tun wir alle. Jedem von uns geht ab und zu was schief. Und erwachsen werden heißt zu lernen, damit gut umzugehen: Zu Fehlern zu stehen. Um Verzeihung zu bitten.

Pfarrer Uwe Flaig

Ich hab mich vor Jahren mal so richtig bei unserem Sohn entschuldigen müssen. Ich hatte da ziemlich überreagiert. Aber das Beste, was ich dann machen konnte – und ich hab’s gemacht: Ich bin zu ihm hingegangen: Das gerade hab ich falsch gemacht. Bitte verzeih mir. Und lass uns überlegen, was wir tun können, damit das nicht wieder passiert.

Und weißt du, was mir hilft, Fehler zuzugeben? Ich weiß, dass Gott mir auf jeden Fall vergibt. Das hat er in der Bibel versprochen. Und das macht Gott richtig gerne: Uns vergeben, wenn wir Mist gemacht haben.
Und deswegen gehe ich manchmal erst zu Gott und bitte ihn um Verzeihung.
Gut, dass es diesen Raum gibt, wo ich um Verzeihung bitten kann.

Und es gibt einen Raum, den ich sehr mag, da steht dran: Loben.
Das ist auch Beten: Gott sagen, dass ich ihn mag. Dass ich ihn cool finde. Lieder über Gott singen. Davon gibt’s ganz viel in der Bibel. Und es werden immer neue Herzenslieder für Gott geschrieben und gesungen.
Auch hier bei uns. Diesen Raum des Lobens kann man alleine betreten. Aber man kann ihn auch gut zusammen mit anderen betreten. Zum Beispiel hier im Gottesdienst.

Also: Hab Mut, nimm dir Zeit, verschiedene Arten des Betens zu entdecken!

Beten ist cool. Tu dir und anderen den Gefallen und werde ein Mensch, der betet. Der einen heißen Draht zu seinem Vater im Himmel hat.

Als ich klein war, da haben wir etwas gemacht, was wir nicht durften: Wir haben in einem kleinen Wald gespielt, der lag an der Eisenbahnlinie. Und da haben wir gesehen: Da gab es Schienen, die waren obendrauf ziemlich rostig. Kein Wunder, Eisen und Regen, das gibt Rost.
Aber merkwürdigerweise gab es Schienen, die waren obendrauf blitzeblank. Wieso?

Das waren die Schienen, auf denen regelmäßig ein Zug gefahren ist. Die anderen, die einfach nur rumlagen, aber nicht mehr benutzt wurden, die haben kräftig Rost angesetzt.

Ich wünsche dir, dass deine Freundschaft zu Gott so ist, dass die Gleise deines Gebets richtig blitzeblank sind, weil da so viele Gebete drübergehen.

Freundschaft, auch die Freundschaft mit Gott lebt vom Vertrauen. Und davon, dass ihr miteinander redet.

Bitte bete!

Amen.



„Gepredigt am 12. März 2017 in der Markuskirche im Vorstellungsgottesdienst der Vorkonfirmanden (Konfettis).“
Pfarrer Uwe Flaig

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