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Predigt

14. Mai 2017

Predigt zum Muttertag · Markus 3,31 - 35

In der letzten Zeit begegnet mir immer häufiger das Thema: wie  wird es mit den alt gewordenen Eltern? Bei meinen Schwiegereltern ist es so, da gibt es vier Kinder, die aber auch ihre Berufe haben, ihre Familien, zum Teil weit verstreut wohnen, nicht immer erreichbar sind ... Eigentlich wollten die beiden über 80-jährigen in eine kleinere Wohnung umziehen. „Betreutes Wohnen" war ihr Wunsch, doch der fehlende Mut, vielleicht auch Bequemlichkeit und die Liebe zum vor vielen Jahren selbstgebauten Eigenheim ließen die Pläne ruhen. Und nun ist es zu spät, noch aus eigenen Stücken heraus die Umgebung zu wechseln. Nun diktieren die weniger werdenden Kräfte die Frage: Wie wird es werden? „Können wir noch zu Hause älter werden oder müssen wir doch ins Heim? Sind die Kinder für uns da, auch wenn es immer schwieriger wird?
Und die Kinder fühlen sich natürlich verpflichtet, wissen aber nicht wie sie das organisieren sollen. Wie können sie ihrer eigenen Familie gerecht werden und zugleich den Eltern mit Liebe das zurückgeben, was sie selbst einmal empfangen haben…
Mit diesen Fragen, Zweifeln und Gewissensbissen quälen sich wahrscheinlich viele Töchter und Söhne. Was erwarten Eltern von ihren Kindern, vor allem, wenn sie älter werden…
Auch Maria wird ihre Erwartungen an Jesus gehabt haben, wie jede Mutter und wie jeder Vater ihrer Zeit. Nämlich die Erwartung, die offen oder verborgen auch heute noch zwischen den Generationen gilt: die Kinder müssen für ihre Eltern sorgen. Jesus ist ihr Sohn. Vielleicht hat sie mit Sorge schon seinen Weg beobachtet, dass er zwölf Männer um sich scharrte, fast wie eine neue Familie. Und dass er immer so viele Menschen um sich hatte,  und bei denen sie sich nicht sicher war, ob der Umgang mit ihnen überhaupt für Jesus gut war. Er ist von  Sinnen", sie dachten es nicht nur, sondern sprachen es aus, so dass alle es hören konnten, so steht es auch im Markusevangelium. Das war nicht der Weg, den seine Eltern, seine Familie von ihm erwarteten.
„Du sollst Vater und Mutter ehren ..." vielleicht ging ihr auch dieses Gebot durch den Kopf. Der alte Vertrag zwischen den Generationen. Wenn du Deine Eltern ehrst, dann werden auch Deine Kinder Dir die Ehre geben. Und Ehre geben heißt nicht einmal im Jahr an den Muttertag denken, sondern jeden Tag, ganz konkret die Eltern versorgen.
Doch Jesus bricht aus, er bricht aus aus der Enge der eigenen Familie, er bricht mit den Erwartungen der älteren Generation, er bricht sogar das 4. Gebot?
Denn so wie damals das 4. Gebot ausgelegt wurde, hatte Jesus dem Ruf seiner Mutter zu gehorchen. Die ihn umgebenden Menschen unterstreichen das:  „Siehe, deine Mutter und deine Brüder suchen dich.“ Willst du dich nicht zu ihnen gehen? Was gibt es denn wichtigeres als die Familie?
Die Antwort Jesu erfolgt mit den Worten: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder?“ „Und er sah auf die, die um ihn im Kreise saßen und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes tut, siehe, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“
Ich kann mir  vorstellen, dass das für damalige Ohren eine  gewaltige Herausforderung war und uns geht es im Grunde nicht viel anders:
Eltern leben für ihre Kinder. Das ist für viele das wichtigste im Leben überhaupt. Ihre Hoffnung ist, dass die besondere Beziehung zum Kind bis ins Alter erhalten bleibt. Mit welcher Verzweiflung würden wir reagieren, wenn unser Sohn oder unsere Tochter sich wie Jesus verhalten würde?
Wie sollen wir Jesus also hier verstehen?
Wilfried und Claudia, ihr habt vorhin in eurem Dialog gesagt:
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“
Und dabei ist es egal, ob du Kind, Mutter, Opa, erwachsener Freund oder Nachbar bist, Wenn  man den Nächsten so liebt wie sich selbst, dann ehrt man ihn  auch, dann zeigt man Achtung, Toleranz und ist verantwortungsvoll und herzlich im Umgang miteinander.

Pfarrerin Maret Schmerkotte

Und das scheint mir auch der Schlüssel zu dieser Geschichte zu sein. Jesu will den Kreis der Liebe ausdehnen, nicht einengen auf die wenigen, die zu seiner leiblichen Familie  gehören, sondern weiten für diejenigen, die durch das Band der Liebe auch mit ihm verbunden sind. Die ihm zuhören, ihm folgen, mit ihm unterwegs sind, mit denen er das Leben teilt. 
Und das sind dann auch zum Teil die, die sonst keiner ehrt und achtet, die vielleicht auch gar keine eigene leibliche Familie haben.

Es ist schade, dass seine Mutter und seine Geschwister nicht zu Jesus hineingehen, sie bleiben draußen stehen und werden dadurch zu Außenstehenden, sie nehmen kein Anteil am Leben Jesu. Aber es ist auch schade, dass Jesus nicht hinausgeht, um sie herein zu holen. Vielleicht hatte er seine Gründe und kannte seine Familie nur zu gut, ihre Sorgen, ihre Abneigung gegen seine Lebensführung, ihre Zweifel an seiner Person. Und die Distanz war in dem Moment einfach nötig. Auch das kennen wir ja, dass wir uns manchmal von Fremden besser verstanden fühlen als von der eigenen Familie.  Und auch, dass wir manchmal Abstand von der Familie brauchen. Aber wie dem auch sei, wichtig ist, dass wir die Geschichte nicht so verstehen, dass hier die leibliche Familie herabgewürdigt wird, sondern dass beides zusammengehen kann. Das Leben mit den Verwandten, Kindern und Eltern und das Leben in einer christlichen Gemeinschaft. Auch Maria steht am Ende unter dem Kreuz Jesu und ist für ihren Sohn da.

„Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter!" Das gilt ja für jeden ob leiblich verwandt oder nicht.

Der Wille Gottes – auch ein schwierige Begriff, dazu könnte man sicher auch noch eine eigene Predigt machen, aber hier in der Geschichte verbindet Jesus diesen Begriff mit der Beziehung zu ihm. Er schaut auf die, die ihm zuhören, die mit ihm verbunden sind, die sich in seiner Nähe wohl fühlen.Und so entsteht eine Gemeinschaft, eine Familie.
Also: Familie, das zeigt uns Jesus hier, das sind die Menschen, von denen ich weiß: Da gehöre ich hin. Da darf ich ganz selbstverständlich sein. Da wird mir geholfen - bei kleinen Alltagsproblemen und in schweren Krisen. Diese Menschen sind meine Heimat und ich bin Teil ihrer Heimat. Familie bedeutet Geborgenheit und Angenommensein. Und das kann eben auch eine christliche Gemeinschaft sein.

Und die leibliche Familie, der eigene Vater, die eigene Mutter? Die bleiben natürlich unsere Eltern, und gerade, wenn sie älter werden, kostet es Liebe, Nerven, Zeit, Geduld und Geld sie zu begleiten. Aber auch sie gehören zu unseren Nächsten, die wir lieben sollen.
Jesus sprengt zwar die engen Familienbande, aber er kann auch Menschen und Familien wieder zusammenfahren, wenn wir einander mit Liebe und einem weitem Herzen begegnen.  Nicht nur am Muttertag, das ist ganz klar. Gestern noch bekam ich eine mail mit der Nachricht: Muttertag ist vom 1. 1. bis zum 31. Dezember.

Amen

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