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Predigt

Lesung 1. Mose, 28, 10 – 22

Jakob hatte Streit mit seinem Bruder - er musste Hals über Kopf aus seiner Heimat fliehen.Er nahm den gefährlichen Weg durch die Wüste.

Als die Sonne unterging,suchte er sich eine Platz zum Schlafen.Allein einen Stein fand er als Kopfkissen.

Und als er schlief, träumte er.

Und siehe:eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel.Und siehe: die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.

Und oben – an der Spitze der Leiter -stand der Herr selbst - und sprach zu Jakob.Er gab ihm große Verheißungen mit auf den Weg.

Und er sprach:„Ich bin mit dir -und ich will dich behüten, wo du auch hinziehst. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe!“

Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: „Der Herr ist an dieser Stätte -und ich wusste es nicht!Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus -und hier ist die Pforte des Himmels!“

Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein,der sein Kopfkissen gewesen ist, und richtete ihn auf zu einem Steinmal.

Liebe Gemeinde,in der Mongolei kann man manchmal auf einen „Ovo“ treffen.Einen Steinhügel am Wegesrand, an einer Strassenkreuzung,an einer gefährlichen Stellen,oder auch mitten in einer Wohnsiedlung. Geldscheine werden unter solche Steine gesteckt, Kerzen und Geschenke werden abgestellt.
Ein „Ovo“ ist ein Ort der Besinnung.Ein Ort, an dem gebetet wird um Führung auf dem Lebenswegum Bewahrung vor Gefahrum Schutz vor bösen Mächten.

Wie entsteht ein solcher „Ovo“?
Normalerweise so:Ein Mensch macht eine besondere Erfahrung.Er bringt diese Erfahrung mit Gott in Verbindung -und das will er nicht wieder vergessen.Deshalb errichtet er einen kleinen Steinhügel. Andere Menschen, die vorbei wandern,halten inne – beten - legen Gaben auf den Hügel.

Pfarrer Martin Schmerkotte Ein heiliger Ort ist entstanden.

Was tut Jakob in unserer Geschichte anderes als das?Auch er macht eine besondere geistliche Erfahrung.Diese Erfahrung wird sein künftiges Leben prägen.Und in dem Moment, wo ihm das klar wird, stellt er einen Gedenkstein auf.Auch er errichtet einen „Ovo“.

Wenn Sie Jakob für einen integeren und frommen Glaubenshelden halten – vergessen Sie das bitte – bis zu diesem Moment!Wer die Geschichte dieses des Jakob kennt -dieses Stammvaters des Glaubens – der weiß:Bis zu diesem Moment, in dem er seinen „Ovo“ errichtet:Er ist ein Muttersöhnchen und ein Betrüger.Seinen Bruder Esau bringt er um sein Erstgeburtsrecht.Sie kennen diese Geschichte.Und jetzt ist er auf der Flucht – er fliehtvor dem Zorn seines Vaters und vor der Rache seines Bruders.

Das ist Jakob – skrupellos - egoistisch - und ohne Religion. Sie hören richtig!Nur einmal – sehr zynisch – nimmt er bis an diese Stelle den Namen Gottes in den Mund.Als er sich vor seinem blinden Vater für seinen Bruder Esau ausgibt -um ihn zu betrügen -als er seinem Vater sein Lieblingsessen bringt -denn sein Vater hatte Esau gebeten ein Stück Wild zu jagen und ihm zuzubereiten -dann wollte er seinen Erstgeborenen Esau segenen -da schleicht sich Jakob ein -serviert dem Vater – mit Hilfe der Mutter – ein Stück Fleisch aus der heimischen Schlachtung -und als der Vater misstrauisch wird und fragt:„Wie konntest Du so schnell ein Wild erlegen?“ - da antwortet Jakob kühl und distanziert: „Dein Gott ließ mir dieses Wild über den Weg laufen"

Dein Gott! Nicht mein Gott – oder: unser Gott!Dieser Jakob macht in seinem nächtlichen Traum auf der Flucht diese besondere Erfahrung mit Gott, von der wir gehölrt haben! Kein Glaubensheld – sondern ein Mensch – auf krummen Wegen!

Und nun träumt dieser Jakob – von der Verbindung zwischen Himmel und Erde.Und dann, als er aufwacht, was macht er? Er baut seinen „Ovo“, gießt Öl zum Segen über den Stein, der sein Kopfkissen war -und er nennt den Ort Bethel - Haus Gottes.„Der Herr ist an dieser Stelle -und ich wußte es nicht!“
Sein Kopfkissen – ein Stein -Bild für sein schlechtes Gewissen – ein tiefes Symbol.All das Krumme und Ungerade, was Jakob bis an diese Stelle mitgenommen hat.Sein Traum – eine ganz persönliche Geschichte – nur für Jakob.Was sieht er?

Er sieht:Es gibt eine Verbindung zwischen der Welt und dem Himmel; zwischen Gott und Mensch.Aber: es geht nicht um eine allgemeine Einsicht, sondern das ist eine schlagartige Erkenntnis!Gott ist in meinem Leben da!Der Gott, den ich eben noch von mir weggeschoben habe („Dein Gott, Vater!“)dieser Gott spricht zu mir:„Ich bin auch dein Gott!Ich bin auch in deinem Leben da -ich bin für dich da!Und: Ich will dich segnen!“

Und dasVersprechen ist noch größer:„Egal, wo du hingehst;egal, was dir zustößt -ich bin mit dir auf dem Weg!“

Eine Begegnung wie ein Blitzeinschlag.Gottes Wirklichkeit berührt ein Menschenleben!Die Himmelleiter – sie führt genau an diesen Ort, an dem Jakob schläft -seinen Stein als Kopfkissen.Es ist genau der Ort, an dem Jokob nur denken kann: „Hier – bei mir – kann Gott nicht sein!Das passt nicht zusammen!“

Denken Sie bitte einmal an den Blitzeinschlag auf dem Feld in Stotternheim –Martin Luther macht eine Jakobs-Erfahrung!„Gott ist hier – und ich wußte es nicht! Das Leben kann nicht so bleiben, wie es vorher war!“Die 95 Thesen sind dann Luthers „Ovo“,ein „Ovo“ - nicht aus Steinen – sondern aus einer ganz anderen Substanz errichtet.Und auch um diesen „Ovo“ herum ist danach so viel gewachsen ist!Und denken wir einmal weiter:Auch die Alte Kirche ist in diesem Sinne ein Ovo! -Jede Kirche -jeder geistliche Ort – ist um „Ovo“-Erfahrungen herum gebaut und entstanden.

Gott ist da – auch mitten in unseren krummen Biographien -auch mitten auf unseren ungeraden Wegen!.Und diese Verbindung ist nicht von mir erarbeitet, nicht erkämpft, nicht ertrotzt!Diese Verbindung ist geschenkt; sie ist Gnade von Gott her!

Gotteserfahrung, lebendige Begegnung!

Jakob richtet den Stein auf; seinen Stein!Bild für sein drückendes Gewissen,Bild für seine krummen Wege.Gott ist gerade auch da, wo ich in meinem Leben nicht mit ihm rechne!Ein echtes Wunder – traumhaft schön – eine ungelaubliche Erfahrung!

So kann und darf ich mir auch meine eigenen „Ovo“-Fragen stellen:Wo sind die Lebens-Punkte, an denen er mich überrascht hat?Welche Momente gab es in meinem Leben -wo ich meinen Ovo hätte aufrichten sollen?Welches sind die „Kopfkissen-Steine“ in meinem Leben?Gerade sie können zu meinen eigenen „Ovo“-Steinen werden.Es gibt solche traumhaften Momente - da kann ich das spüren!Erfahrungen, die ich nie wieder vergessen will!„Ovo“-Momente!

Zwei junge Männer machen sich auf den Weg,um ein beschädigtes Auto zu begutachten.Die Vorderachse ist stark beschädigt -das Auto ist nicht mehr fahrbereit.

Die beiden jungen Männer haben Werkzeug mit - heben das Auto mit einem Wagenheber hoch- schrauben eins der Vorderräder ab.Das Ausmaß des Schadens ist trotzdem nicht zu erkennen.Da kriecht der jüngere der beiden mit einer Taschenlampe unter das Auto.

Er verweilt lange dort -die beiden reden hin und her -über alles mögliche wird gefachsimpelt -und am Ende kommt er wieder zum Vorschein.Zu allerletzt taucht sein Kopf wieder auf.

Und genau in diesem Moment verrutscht der Wagenheber -das Auto schlägt krachend zu Boden.Eine Sekunde früher - der junge Mann wäre tot gewesen!

Das ist dieser Moment, in dem der Blitz einschlägt:„Gott ist an dieser Stätte!Gott ist in dieser Geschichte!Und ich wusste es nicht!“

Aus einer solchen Erfahrung einen „Ovo“ aufrichten -das muss nicht äußerlich sein - das kann auch ein „innerer Stein“ sein!Der „Ovo“ soll mich erinnern: Gott ist hier – mitten in meinem Leben!

Es gibt diese Verbindung zwischen Himmel und Erde – auch in meinem Leben -und wo ein „Ovo“ aufgestellt wird,erinnern sich Menschen an die Ewigkeit.

Ob mein damaliger Freund -der junge Mann unter dem Auto -sich an diese Geschichte vor 35 Jahren noch erinnert?Ich bin mir nicht sicher!Wir haben niemals mehr darüber gesprochen.Eben auch das gehört zu uns Menschen dazu:Selbst einschneidende Erlebnisse können wir vergessen oder verdrängen!So sind wir!

Ich selbst aber will diesen Moment nicht vergessen!Gerade weil ich eben oft auch schwach bin,kann ein äußerer oder auch ein innerer „Ovo“ wichtig sein.Er erinnert mich, dass ich eben auch in herausfordernden und einschneidenden Momenten nicht aus dem Vertrauen herausfalle -nicht spreche und denke:„Gott ist nicht hier!“

Habe ich einmal einen „Ovo“ errichtet, kann mich die Erinnerung in anderen Momenten tragen: „Die Verbindung zwischen Himmel und Erde steht!“Auch wenn ich das noch so oft wieder neu entdecken und glauben muss:„Der Herr ist an dieser Stätte!Und ich wusste es nicht!"

Mein Leben -mein Glauben -im Licht der Ewigkeit.Eben: Einen „Ovo“ errichten, damit wir nicht vergessen!

Traumhaft schön - himmlisch schön!„Der Herr ist an dieser Stätte – und ich wusste es nicht!“

Amen.

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