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Predigt

9. September 2018 (Anmeldung der neue Konfettis, Taufen)

Predigt: „Mit Kindern Glauben lernen“

(Markus 10,13-16)

Diese Geschichte „Jesus segnet die Kinder” ist eine sehr bekannte Geschichte. Die kommt immer wieder vor. Aber mir fällt auf: Ich hab noch nie was zu dieser Geschichte gemacht. Vielleicht gerade weil sie so verbreitet ist.
Aber ich finde, dass sie zu uns heute passt. Hier: Taufe von zwei Kindern. Und Anmeldung von euch Konfettikindern. Eure Eltern sind ja mit euch hierhergekommen, haben euch hierhergebracht. Und haben vermutlich die Hoffnung, dass euch das gut tut. Dass ihr hier mit Gott in Kontakt kommt.  Und dass das eine gute Spur in eurem Leben hinterlässt.   Eine Segensspur.
Und das ist das allererste in unserer Geschichte: Jesus tut Kindern gut. Er nimmt sie in den Arm. Er knuddelt sie. Er hört ihnen aufmerksam zu. Und er segnet sie mit Gottes Liebe. Jesus tut Kindern gut.
Glauben tut Kindern gut. Das hatten die Menschen damals noch nicht so auf dem Schirm. Die Freude von Jesus schon mal gar nicht: „Kinder? Nee, nee. Jetzt muss Jesus erstmal seine Ruhe haben! Der hat so viel Arbeit mit den Erwachsenen gehabt, das muss jetzt mal reichen.“

Die Menschen damals hatten überhaupt Kinder noch nicht so auf dem Schirm. Das ist heute bei uns anders. Heute tun wir Eltern ganz viel, um unsere Kinder zu fördern und zu begleiten:
Sport machen. Ein Instrument lernen.  Und viele finden es gut, wenn ihre Kinder auch im Glauben fit werden.
Und das hat man inzwischen herausgefunden: Glauben tut Kindern gut.  Kinder, die beten, kommen besser zurecht, wenn im Leben was schiefläuft. Und – Kinder, die glauben, können besser andere Menschen im Blick haben. Sind sozial besser drauf. Sind meistens hilfsbereiter.

Damit sind wir mitten in unserer Geschichte: Glauben tut Kindern gut. Jesus tut Kindern gut. Er knuddelt sie und bringt sie mit Gottes Liebe in Berührung.
Dann nimmt diese Geschichte aber eine unerwartete Kurve. Jesus sagt zu den Erwachsenen: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder,  dann könnt ihr nicht in Gottes Reich hineinkommen.“
Erwachsene gehören also auch in Gottes Reich. Sagt Jesus. Glauben ist nicht nur was für Kinder.  Glauben ist was für Erwachsene.
Es tut erwachsenen Menschen gut, an Gott zu glauben. Warum?
Weil der Glaube ein paar sehr grundlegende Fragen beantwortet.

Pfarrer Uwe Flaig

Zum Beispiel die Frage: „Bin ich allein? Oder schaut jemand freundlich auf mein Leben?“
Jesus sagt: „Du bist nicht allein.  Du hast einen Vater im Himmel, der ist voller Liebe, der fühlt mit dir, der lässt dich nicht im Stich.“   So kann aus Einsamkeit Geborgenheit werden.

Nächste Frage: „Reicht es, wenn ich mich nur um mich drehe?“
Jesus sagt: „Du bist zu Größerem und Besserem berufen. Dein kleines Leben kann ein kleines Stück Welt ändern.“ So kann aus Ich-Bezogenheit Hingabe werden.

Nächste Frage: „Wie komme ich klar mit mir, wenn ich es mal wieder nicht packe?  Wenn ich hinter dem zurückgeblieben bin, was ich gerne wäre?“
Gott sagt: „Ich schenke dir jeden Tag die Chance, neu anzufangen und das, was schief gegangen ist, hinter dir zu lassen.“
Aus Scheitern wird ein neuer Anfang.

Nächste Frage: „Wie kann ich gefährdete Beziehungen retten?“
Jesus sagt: „Ich helfe dir, andere nicht aufzugeben,  sondern ihnen eine zweite, eine dritte und eine tausendste Chance zu geben.“
Aus einem Zerwürfnis kann Versöhnung werden.

Und vielleicht die schwierigste aller Fragen:  „Was bleibt am Ende, wenn ich nicht bleibe?“
Gott sagt: „Am Ende bleibe ich da. Und ich warte auf dich an der anderen Seite.  Und da beginnt ein ganz neues Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte.“

Vielleicht versteht ihr, was ich meine mit „Glaube tut Erwachsenen gut“.
Der Glaube an Gott, so wie Jesus ihn gebracht hat, tut uns gut, weil er ziemlich hilfreiche Antworten gibt  auf einige grundlegende Fragen unseres Lebens.

Jetzt kommt ein weiterer Schritt: Was Erwachsene von Kindern lernen können.
Jesus sagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht in Gottes Reich hineinkommen.“
Jetzt würde ich gerne euch mal fragen: Was meint ihr, was Erwachsene von den Kindern lernen können ???
 (Neugierde, Unbekümmertheit, Offenheit, Freude)
In der Bibel steht, dass wir Gott lieben sollen mit ganzem Herzen, mit unserem Verstand und mit aller unserer Kraft.
Wenn wir erwachsen werden, lernen wir, unseren Verstand zu gebrauchen und mit ihm die Welt und das Leben zu verstehen und in den Griff zu bekommen.
Wir lernen, wie das und das geht. Wir entwickeln Vorstellungen, was es gibt und was es nicht gibt. Und manchmal schließen wir uns damit auch gegenüber neuen Erfahrungen ab.
Vor allem verlieren wir, wenn wir erwachsen werden, oft die Fähigkeit,  Dinge mit unserem Herzen anzugehen. Zu fühlen. Wir werden oft sehr verkopft.
Dabei ist es oft gar nicht das Denken, was uns den Weg zum Glauben verschließt, sondern dass wir verlernen zu staunen, offen zu sein und auf die Stimme unseres Herzens zu hören.
Und – irgendwann verlieren wir die Fähigkeit, uns etwas schenken zu lassen.

Kinder haben damit meist noch kein Problem: Sie nehmen gerne Geschenke an und fangen nicht an zu rechnen.
Wir Erwachsenen fragen ganz schnell: „Moment mal, bevor ich das jetzt annehme: Wozu verpflichte ich mich damit? Welche Gegenleistung muss ich erbringen?“
Grundregel eins für Erwachsene: Es gibt im Leben nichts geschenkt. Das Leben ist kein Ponyhof.
Und nun sagt Gott: Ich schenke dir – mein Herz. Ich schenke dir meine Liebe. Ich schenke dir meine Freundschaft. Meine Aufmerksamkeit.

Wie soll man das denn als Erwachsener glauben? Der häufigste Satz in dem Zusammenhang ist: „Ja aber man muss doch auch etwas dafür tun. Man kann sich das doch nicht einfach so schenken lassen.“  (Bsp. GK)
Die Gute Nachricht der Bibel ist: Das Reich Gottes, Gottes Liebe – gibt es geschenkt. Und nur geschenkt. Die kann man sich nicht verdienen. Auch ’ne Mutter Theresa konnte und wollte sich das nicht verdienen, sondern sie hat aus der Liebe gelebt, die Gott ihr jeden Tag geschenkt hat. Und das hat ihr Leben verändert.

Ob wir das von unseren Kindern lernen können? Ob wir das zusammen mit unseren Kindern entdecken können?
Seit ich 16/17 Jahre alt bin, versuche ich zu lernen, mich beschenken zu lassen. Kleinere Fortschritte sind mittlerweile in Sicht. Aber der Grundreflex „Nein danke, hab schon!“, ist immer noch sehr ausgeprägt.

Letzter Punkt: Warum Kinderglaube nicht alles ist.
Manchmal reicht es nicht aus, eine einzelne Bibelstelle zu zitieren. Also in diesem Falle: „Wenn ihr nicht werdet wie Kinder “ und fertig. An einer anderen Stelle der Bibel, im ersten Korintherbrief, schreibt Paulus: „Werdet nicht wie Kinder“. (1 Kor 14,20).
Das steht in einem anderen Zusammenhang.  Da sind Christen, die sich weigern, in ihrem Glauben reif und erwachsen zu werden.
Und das ist die andere Geschichte: Auf der einen Seite wie Kinder offen zu sein, das Herz einzuschalten, bereit sein, sich von Gott beschenken zu lassen.
Und trotzdem im Glauben erwachsen zu werden.
Ein Beispiel:  Wenn ein Kind Gott um etwas bittet, dann denkt es: „Ich bitte. Und dann warte ich. Und dann fällt das, worum ich gebeten haben, vom Himmel.“
Wenn ich im Glauben erwachsen werde, dann lerne ich,  dass es so einfach nicht ist.
Was mach ich? Ich bitte Gott um etwas. Und warte ab. Und ich weiß, dass es ohne seine Hilfe nicht gehen wird.
Und dann öffnet Gott vielleicht irgendeine Türe, gibt mir einen Stups, gibt meinem müden, ängstlichen Herzen Kraft, bringt mich in Bewegung  und ich traue mich endlich, einen anderen Menschen um Hilfe zu bitten. Oder einen wichtigen Anruf zu machen. Ich gehe los – und es geht plötzlich und wird gut.
Und ich weiß: Es war Gott, der das möglich gemacht hat, nicht ich. Aber er hat es auch nicht ohne mich getan.  Er hat mir geholfen, das zu tun, was ich tun kann.

So unterscheidet sich kindlicher Glaube von mündigem Glauben.
Und ich vermute, ein Grund, warum manche Menschen  ihren Glauben, den sie als Kind hatten, irgendwann über Bord werfen,  ist, dass sie diesen Wachstumsschritt nicht gemacht haben, dass sie im Kinderglauben stecken geblieben sind  und irgendwann gemerkt haben, dass das Leben so nicht funktionieren kann.
Und so sind wir also heute Morgen hier,  um gemeinsam mit unseren Kindern den Glauben neu zu entdecken, das Staunen zu lernen, unser Herz einzuschalten,  uns von Gott beschenken zu lassen.
Und gleichzeitig zu wissen, dass kindlicher Glaube nicht alles ist, dass unser Verstand gefragt ist und dass wir alles das, was wir haben und können, in die Erhörung unserer Gebete mit einbringen sollen.
Dann beginnt das Abenteuer.

Amen.

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